Wunderliches Rauchtum

Wunderliches Rauchtum

Ist es zumutbar, dass Nichtraucher auf dem Weg zur Toilette womöglich Raucherbereiche queren müssen? Ist es nicht, stellte der Verwaltungsgerichtshof bereits im Vorjahr fest, und empfahl die Reparatur des Gesetzes. Das haben SPÖ und ÖVP nun mittels einfacher Mehrheit im Parlament getan. Das Rauchverbot wird künftig "authentisch interpretiert“.

Heißt: Das VwGh-Erkenntnis wird schlicht ausgehebelt. "Weltfremd“ sei es nämlich gewesen, urteilt SPÖ-Verfassungssprecher Peter Wittmann. Und da hat er wohl recht. Die Folgeschäden des Passivrauchens auf dem Weg zum Klo werden sich in Grenzen halten. Stutzig macht allerdings die Begründung: Tausende Wirte hätten andernfalls ihre Lokale wieder umbauen müssen. Stimmt. Die Gastronomen müssten sich tatsächlich gefrotzelt fühlen, konnten sie das Rauchverbot in Lokalen dank verwaschener Regelungen ja seit 2008 mittels baulicher Maßnahmen (getrennte Raucherbereiche, Entlüftung) umgehen. Deshalb ist der Status Quo auch eine "Übergangslösung“ bis zum echten Verbot. Dumm nur, dass bei jeder ernsthaften Neugestaltung des Nichtraucherschutzes die Wirte immer draufzahlen werden. Die Übergangs- klingt ganz nach Dauerlösung.

- Stefan Knoll

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