Wirtschaftskrise macht Pause

Wirtschaftskrise macht Pause

Oberflächlich ist der ökonomische Ausblick für 2013 gar nicht so düster. Aber die Krise Europas liegt tiefer und wird sich zurückmelden.

Blüht uns 2013 wieder ein Jahr der Krise? Das hängt davon ab, wie "Krise“ definiert wird. Wenn damit im landläufigen Sinn eine Entwicklung gemeint ist, in der die Wirtschaft schrumpft, also eigentlich eine Rezession, wird Österreich im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich keine Krise erleben. Die Weltwirtschaft wird weiter wachsen. Die USA sind in einem zarten, aber eindeutigen Aufwärtstrend. Der Euro stabilisiert sich, und vor den deutschen Bundestagswahlen im Herbst 2013 wird Kanzlerin Angela Merkel keine weitere Verunsicherung in Bezug auf die Gemeinschaftswährung zulassen. Es ist auch kein triftiger Grund in Sicht, wieso die Finanzmärkte verrückt spielen sollten.

Ein kleines Plus sollte sich für Österreich in diesem Umfeld ausgehen - auch wenn einzelne Branchen ordentlich unter Wasser sind: zum Beispiel die Medien, die mit rapide schrumpfenden Erlösen kämpfen; oder die Banken, die Milliarden Euro an Eigenkapital aufbauen müssen.

Anders sieht die Sache aus, definiert man "Krise“ dem ursprünglichen Wortsinn nach. Im Altgriechischen bezeichnete dieser Begriff eine schwierige Zeit, die auf ihren Höhe- bzw. Wendepunkt zusteuert und zu raschen Handlungsentscheidungen zwingt. Und das ist exakt die Situation, in der sich Europa (und Österreich) befindet.

Europa hat zaghaft begonnen, die Verschuldung der Staaten als Problem zu erkennen. Noch langsamer setzt sich in vielen EU-Staaten die Einsicht durch, dass Korrekturen an den Sozialsystemen notwendig sein werden. Die getroffenen Entscheidungen reichen aber bei weitem nicht, die Position des alten Kontinents im globalen Wettbewerb auf Dauer zu festigen. Wir sollten uns durch eine vorübergehende Aufhellung des Konjunkturhimmels nicht täuschen lassen. Bei den alten Griechen kam am Ende einer ungelösten Krise die Katastrophe.

- Andreas Lampl

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