Wirtschaft hat den Wodka-Kater

Wirtschaft hat den Wodka-Kater

Lange hat es nicht gedauert. Die EU und auch Österreich haben die russische und ukrainische Kundschaft nachhaltig verschreckt. Sanktionen, ein nicht näher begründeter Generalverdacht von Geldwäsche und nicht zuletzt die überstürzte haben vor allem eines bewirkt: gähnende Leere in Luxusboutiquen, Nobelherbergen und so manchem Restaurant.

Vorbei die Zeit der üppigen Trinkgelder. Umsatzrückgänge von 60 Prozent, ein Nächtigungsminus von 22 Prozent allein im April. Kurz: Die österreichische und vor allem die Wiener Wirtschaft hat einen veritablen Wodka-Kater.

Eigentlich kein Wunder. Die ach so klischeebehafteten Russen wurden jahrelang als Melkkühe des Luxus-Booms betrachtet. Gerne hat man ihnen Pretiosen, Markenuhren und überteuerte Fetzen verkauft, aber hinter ihrem Rücken über aufgebrezelte Blondinen, polternde Stiernacken und saufende Neureiche gelästert.

Nennen wir das Phänomen beim Namen: Russen und Ukrainer - fürs goldene Wienerherz "die aus dem Osten“ - waren die abgezockten Schmuddelkinder der Innenstadt. Es spricht für sie, dass sie trotzdem in Scharen gekommen sind und Schmähungen höflich ignoriert haben. Jetzt sind sie weg. Ihr Geld ist in London wohl besser gelitten. Nastrowje!

- Florian Horcicka

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