Wir brauchen Bildungspower statt Neugebauer

Wir brauchen Bildungspower statt Neugebauer

Das wichtigste Buch in unseren Schulen ist das Parteibuch. Wer dieses Buch nicht bei sich trägt, hat in weiten Teilen des Landes keine Chance, Schuldirektorin oder Schuldirektor zu werden.

Auch jenseits der Bestellung der Führungsfunktionen zeigt sich: Kein anderes Schulsystem in der EU wird so stark von einem machtpolitischen und dumpf-ideologischen Würgegriff der Parteien drangsaliert wie das österreichische.

SPÖ und ÖVP befinden sich immer noch im 30-jährigen Stellungskrieg - "Gesamtschule: Ja oder Nein?“ Die Herren Neugebauer, Spindelegger, Faymann usw. erweisen sich dabei als Zyniker der Macht. Denn sie führen ihren Kampf auf dem Rücken der Schüler aus.

Die Tragik der heimischen Bildungspolitik wurde uns zuletzt durch das Thema Lehrerdienstrecht vorgeführt. Bereits im August 2001 kündigte Ministerin Gehrer ein modernes, zeitgemäßes Dienstrecht an. Zwölf Jahre später gelingt unserer Bundesregierung immer noch kein Gesetzesbeschluss. Zur 30. Verhandlungsrunde brachte ich eine "Stillstands-Torte“ ins Parlament. Ich wurde nicht einmal vorgelassen. Die Begründung: Vergiftungsgefahr.

Dabei ist das einzige, was vergiftet wird, die Zukunft unserer Kinder und die Motivation unserer Lehrer. Ich kenne viele, die an diesem Stillstand verzweifeln. Sie wollen neue Wege gehen. Sie wollen unseren Kindern Treppen in die Zukunft bauen, und es werden ihnen dabei nur Steine in den Weg gelegt.

Ich habe einen Traum: Heben wir jedem Kind die Flügel! Die Talente sollen künftig wieder blühen in unserem Land!

Dazu brauchen wir eine bildungspolitische Offensive. Und ja, wenn die Wähler die Türen öffnen, möchte ich Bildungsminister in der nächsten Bundesregierung werden. Ich möchte Landebahnen für das Neue bauen.

Autonomie: Die Schulen müssen befreit werden vom Würgegriff der Parteien und Gewerkschaften. Von den Ungerechtigkeiten des Systems, das öffentliche Schulen komplett finanziert und innovative Privatschulen überhaupt nicht. Und vom vorherrschenden Ansatz, lieber mit mittelmäßigen Schablonen zu arbeiten statt individuelle Talente zu beflügeln. Schulleiter sollen vor Ort - durch ein Gremium aus Schulgemeinschaftsausschuss, Trägerorganisation und Qualitätsagentur des Bundes - nach öffentlichen Hearings bestellt werden. Auf Basis anerkannter Qualifikations- und Kompetenzkriterien. Direktoren sollen sich ihre Mitarbeiter - Lehrer, Sozialarbeiter, Psychologen, Lerncoaches und andere Fachleute - auswählen können und ungeeignete Personen ersetzen dürfen. Und sie sollen über ein Budget verfügen, mit dem sie pädagogische Schwerpunkte setzen können, anstatt nur verlängerter Arm der Schulbürokratie zu sein.

Mittlere Reife: Für das Ende der Schulpflicht einen gemeinsamen Mindeststandard festzulegen, ist sinnvoll. So gibt es innerhalb der Vielfalt der Systeme ein Bildungsziel, auf das alle hinarbeiten. Wir erreichen damit Vielfalt, Wettbewerb und Chancengerechtigkeit. Nach der Mittleren Reife mit 15 Jahren kommt die Orientierung und Spezialisierung je nach Neigungen und Talenten. Ein Konzept, mit dem andere Staaten gute Erfahrungen gemacht haben.

Vielfalt: Konkurrenz belebt Geschäft und Köpfe. Das heißt: Ihr Budget erhalten die Schulen subjektbasiert pro Schüler oder pro Absolventen - mit Anreizen, auch schwächere oder benachteiligte Schüler aufzunehmen und zum Erfolg zu führen. Zusätzlich zu engagierten und kompetenten Lehrern - die sich laufend weiterbilden - sind gute Unterrichtsmaterialien der zweite große Hebel für immer besseren Unterricht. Jede Schule erarbeitet Unterrichtsmaterialien und testet Methoden, die Qualitätssicherungsagentur vernetzt die Schulen und betreibt ein "Unterrichtsmaterialien-Wikipedia“.

Das sind nur drei Bausteine für die Landebahnen der Zukunft im Bildungsbereich. Viele weitere haben wir in unserem Programm definiert. Wichtig ist, dass wir nun endlich ins Tun kommen. Die Wählerinnen und Wähler haben es in der Hand, den Stilltand zu verlängern oder den Startschuss für eine neue Ära in der Bildungspolitik zu geben.

- Matthias Strolz ist Buchautor, Motivationstrainer sowie Gründer und Parteichef der Neos.

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