Wie Big Data zur Kunstform wird

Wie Big Data zur Kunstform wird

Visualisierung ist ein wichtiger Baustein für Big Data-Lösungen, dabei werden komplexe Datenmengen so aufbereitet, dass die Aussagen sichtbar werden. Kreative Menschen können noch viel mehr vollbringen.

Sowohl in der Wissenschaft, als auch der Wirtschaft sind Datenanalyse und Visualisierung unabdingbar geworden. Doch in den kreativen Händen einer neuen Generation von Künstlern kann aus großen Datenmengen noch viel mehr werden als Charts, Grafiken und sachliche Diagramme. Aus ihnen kann Kunst werden. Kunst, die auf zuvor unbekannte Art und Weise auf der Realität basiert und somit nicht nur ein Abbild unserer Welt darstellt, sondern zudem auf seine ganz eigene Art Geschichten erzählen kann. Viele der Werke der immer häufiger auftauchenden „Data Artists“ wollen dabei aber nicht in Galerien landen – sie sehen das Internet als ihre Bühne, zumal just dieses ja oft auch auf unterschiedliche Art und Weise die Basis für ihre Arbeiten darstellt.

Ein Beispiel dafür ist das Johnny Cash Project - ein globales, kollektives Kunstprojekt von Aaron Koblin und Chris Milk, produziert von tausenden Usern aus der ganzen Welt. Es liefert ein Musikvideo zu dem gleichnamigen Song zu Cashs letztem Studioalbum „Ain‘t no Grave“, das allerdings niemals gleich aussieht. Die User können auf der Website durch eigens programmierte Zeichentools Standbilder aus dem passenden Musikvideo von Johnny Cash verändern und ihnen ihre ganz persönliche Note aufdrücken. Spielt man daraufhin das Video ab, werden die mittlerweile zahllos zur Verfügung gestellten User-Bilder für jedes Frame durch das Programm ausgewählt und abgespielt. So sieht das Video nie gleich aus; verströmt nie die exakt selbe, düstere Stimmung.

Ein Data Artist ganz anderer Art ist Jer Thorp . Er ist aktuell bei der New York Times beschäftigt und realisiert diverse Grafiken, die Verbindungen und Beziehungen darstellen. Je größer der Datenpool, desto komplexer die Verbindungen, desto interessanter wird das Projekt und vor allem das Ergebnis. Dementsprechend sieht die Grafik von Jerp Thorp auch durchaus faszinierend aus. Sie zeigt alle Top-Persönlichkeiten und Firmen, die im kompletten Jahr 2011 in der New York Times erwähnt wurden und wie sie miteinander verbunden sind.

Grafik von Jerp Thorp

Deutlich näher bei „klassischer Kunst“ angesiedelt, aber dennoch ganz eindeutig ein Big-Data-Projekt, ist hingegen das Werk des Künstlers Ben Rubin sowie des UCLA Professors Mark Hansen , das ebenfalls für die New York Times erstellt wurde und deren Eingangshalle schmückt. Auf 560 kleinen Displays werden dynamisch Textfragmente und Bilder aus dem kompletten, 156 Jahre umfassenden Archiv der Times dargestellt, gemischt mit in Echtzeit gesammelten Such-Anfragen und geposteten Kommentaren der internationalen User auf den Times-Webseiten. Dabei ist die Zuordnung der Beiträge aber keineswegs zufällig. Hansens passender Algorithmus (er ist übrigens Statistiker) ist sehr sensibel dabei, welche Bausteine er anzeigt und wo er sie platziert. Die Mischung von Fragmenten aus alten und neuen Beiträgen, Nummern und Worten sowie den Inhalten ist bewusst gewählt und sorgt für faszinierende Konstellationen – zumal auch Bilder beigemengt werden. Zusätzlich werden Töne, ebenfalls passend zu den gezeigten Wörtern abgespielt, die die Faszination des ausgestellten noch weiter erhöhen und die Installation wie ein lebendiges Wesen erscheinen lassen.

Egal ob rein digital oder anfassbar, ob das Werk hunderter oder eines einzelnen, ob beabsichtigt kreiert oder zufällig entstanden. Big Data wird uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sicherlich noch viele Werke bescheren, die uns faszinieren und fesseln. Und wer weiß? Vielleicht werden die Generationen nach uns in virtuellen Vernissagen gleich neben Meisterwerken von zeitlosen Künstlern wie Picasso, das eine oder andere Beispiel der Arbeit eines Big-Data-Artists unserer Zeit bewundern können.

- Martin Micko ist Sr. Marketing Director for Turkey, Eastern Europe, Africa and Middle East (TEEAM) bei EMC .

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