Weshalb es mit Apple jetzt abwärts geht

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Zwei persönliche Anmerkungen zu Beginn. Erstens: Im Rückblick verweist so mancher Kommentator gerne auf die von ihm gestellten, natürlich ausnahmsweise zutreffenden Prognosen. Sollte ich also mit folgender Einschätzung daneben liegen, dann werde ich das gerne zugeben und öffentlich Buße tun – etwa indem ich mir ein Apple-Logo aufs Auto klebe. Zweitens: Apple stellt noch immer die das beste Smartphone und die besten Laptops her.

Aber: Mit Apple geht es abwärts. Das musste irgendwann so kommen, denn kein Unternehmen der Weltwirtschaft und schon gar keines der Technologiebranche kann mit dieser Schnelligkeit weiter wachsen. In der luftigen Höhe, in der sich Apple jetzt befindet, wirken sich schon kleine Fehler aus. Und Apple hat sich zuletzt einige Fehler geleistet.

Noch immer das beste Smartphone

Nein, das iPhone 5 zählt nicht dazu. Es ist zwar im Vergleich zu den Vorgängermodellen kein wahnsinniger Aufreger, aber was sollte es da großartig zu verbessern geben? Im Vergleich zu den Smartphones der Konkurrenz ist es noch immer ein kleines Stück besser und vor allem einfacher zu bedienen. Es ist diese seltene Symbiose aus guter Bedienbarkeit und hervorragendem Image, die das iPhone auszeichnet.
Sehr wohl ein Fehler war allerdings die Offensive von Apple in Richtung Kartendienste – diese Karten haben in den vergangenen Tagen für hämische Bemerkungen gesorgt, denn sie sind technisch offenbar nicht ausgereift. Es wäre jetzt leicht zu sagen, dass es unter Steve Jobs so etwas nicht gegeben hätte – tatsächlich war beispielsweise auch das Spracherkennungssystem Siri hart an der Grenze zum Flop. Hätte Samsung oder Nokia so etwas herausgebracht, wäre es von den angeblichen Technikspezialisten in der Luft zerrissen worden. Apple wollte nun unbedingt Google eins auswischen, doch das geschah überhastet.

Wozu ein Mini-iPad?

Zweiter Fehler: Die kommende Miniatur-Ausgabe des iPad ist eine Reaktion auf die kleineren Tablets der Konkurrenz. Seit wann schert sich Apple um die Konkurrenz? Mit dem neuen Gerät begibt sich der Konzern auf gefährliches Terrain – eines, bei dem keine traumhaften Margen mehr drinnen sein werden. Durch das billigere, kleinere Mini-iPad aber könnte das ganze Geschäftsmodell in Schieflage geraten, auch das Image als absoluter Premium-Anbieter könnte leiden.

Drittens: Ein Unternehmen sollte wissen, wann es die Grenze zwischen berechtigter und ungerechtfertigter Arroganz überschreitet. Dass der Endkunde bei Apple stets nicht allzu viel zählte, ist bekannt – Reklamationen und ähnliches versickern stets in irgendwelchen dunklen Kanälen. Das war früher nicht anders: Apple-Händler und Kundenservice, das waren schon vor vielen Jahren Gegensätze. Aber man hat das wegen der tollen Produkte geduldet. Nun aber ist die Konkurrenz sehr nahe gekommen, die Kunden vergleichen mehr als bisher. Kein Grund für Apple, etwas näher an den Kunden heranzurücken, etwas mehr Verständnis zu zeigen – oder einfach nur zu versuchen, ein wenig sympathischer zu wirken.

Also?

Wie gesagt: Die besten Smartphones, die besten Laptops, auch perfekte Mac – aber ein Pickerl werde ich in einem Jahr garantiert noch immer nicht am Auto haben. Wetten?

Robert Prazak

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