Wer für alle offen ist, ist nicht ganz dicht

Michael Schmid über die problematische Lage am Arbeitsmarkt – und wem sie durch die als arrogant empfundene Ignoranz einer Meinungsmacherelite nützen wird.

Nein, Herbert Kickl war nicht auf Urlaub. Kaum zu glauben, dass sich der aussendungsfreudige FPÖ-Generalsekretär diesen aufgelegten Ball entgehen ließ: Am Montag hatte das AMS den Anstieg der Arbeitslosenzahl um 23.000 Jobsuchende vermeldet. Tags darauf publizierte das Wifo, dass ein Jahr nach Öffnung des heimischen Arbeitsmarktes für Arbeitskräfte aus den neuen EU-Ländern deren Zahl um 29.000 gestiegen sei. Kickl hatte, knapp unter der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle, die Verschlechterung am Arbeitsmarkt nicht diesen Zuwanderern angelastet, sondern einem anderen Feindbild – dem Euro und seiner Krise.

Die ohnehin unumgängliche Arbeitsmarktöffnung taugt keineswegs als singuläre Erklärung für steigende Arbeitslosenzahlen. Aber sie ist auch nicht irrelevant. Doch als Arbeitnehmervertreter Übergangsfristen nicht einseitig verkürzen und die Grenzen nicht vorzeitig aufmachen wollten, wurden sie dafür von wohlgesinnten, europafreundlichen Kommentatoren verbal geprügelt. Wenn diese Meinungsmacher Arbeitsplatzsorgen, die Menschen existenziell betreffen, weiter klein- und wegreden, nützt das nur Extremisten – auch wenn die zum Glück nicht jeden aufgelegten Elfer verwerten.

- Michael Schmid

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten