Wenn Schwarze sich streiten

Wenn Schwarze sich streiten

ÖVP gegen ÖVP, das kann kuriose Formen annehmen. Dass Finanzministerin Maria Fekter und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner nicht die besten Freunde sind, ist bekannt.

Vor dem Vorhang präsentieren sie sich jedoch, Parteiräson sei Dank, immer in trauter schwarzer Harmonie. Umso erstaunlicher, wenn doch einmal jemand aus der Rolle fällt – wie soeben Maria Fekter.

Mit dem Wirtschaftsstandort Österreich stehe es ganz und gar nicht zum Besten, klagte sie am Rande des Europäischen Forum Alpbach. "Abgesandelt“ sei der Standort sogar, bekräftigte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl die Kritik der Ministerin. Mitterlehner, der seinerseits seit Jahren nicht müde wird zu betonen, wie großartig Österreich international immer noch dastehe, kann das nur als innerparteilichen Affront verstehen. Doch auch er bekam Hilfe: "Unser Standort ist top“, sprang Wirtschaftsbund-Chef Peter Haubner prompt per Presseaussendung in die Bresche.

Fassen wir also zusammen: Der ÖVP-Wirtschaftsminister sagt, der Standort Österreich ist super. Die ÖVP-Finanzministerin sagt: Auf keinen Fall ist er das. Der Wirtschaftskammer-Chef sagt: Recht hat Fekter. Der Wirtschaftsbund-Chef sagt: Hat sie nicht. Vier schwarze Urgesteine, zwei Meinungen. Da soll sich der Wähler noch auskennen? Die SPÖ sitzt diesmal bequem erste Reihe fußfrei, lacht sich ins Fäustchen und freut sich auf Wählerstimmen. Aber nach einer Schrecksekunde werden die schwarzen Granden ohnehin wieder sagen, alles war bloß ein Missverständnis. Man sei falsch zitiert worden.

- Klaus Puchleitner

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