Wehrpflicht: Rasurbefreit in der warmen Kammer

Manfred Gram über seinen Grundwehrdienst.

Wehrpflicht: Rasurbefreit in der warmen Kammer

Akne kann von Vorteil sein. Zum Beispiel beim Bundesheer. In der Blüte meiner Spätpubertät war ich rasurbefreit und bekam das auf einem rosa Wisch, den ich immer bei mir tragen musste, bescheinigt. Das war wichtig, denn ein Korporal, der dann wegen Fettleibigkeit abrüsten musste, fragte mich dreimal in der Woche danach. Warum auch immer.

Viel gelernt hab ich nicht. Sollte ich aber jemals wieder eine Woche im Feld leben, weiß ich, dass mit Imodium akut und Kochschokolade das Verdauungssystem vier Tage in Schach gehalten werden kann.

Ansonsten: Ich hatte es gut erwischt. Als Telefonist am Truppenübungsplatz Seetaler Alpe saß ich hauptsächlich in einer warmen Kammer. Und der Umgangston in der Kaserne war selbst beim Strafrapport respektvoll und höflich.

Das Gefühl, man habe mir acht Monate gestohlen und dass Systeme auch effizienter erhalten werden können, beschleicht mich aber nach wie vor. Unlängst wieder, als zu lesen war, dass jetzt auf meinem Truppenübungsplatz aus Spargründen drei Leiharbeiter, zwei Vertragsbedienstete und eine neue technische Überwachungsanlage die Arbeit von 100 Grundwehrdienern übernommen haben.

- Manfred Gram