Was vom Weltspartag übrig blieb

Was vom Weltspartag übrig blieb

Sparefroh & Co. sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Das könnte aber auch an uns Bankkunden liegen.

Eine Bank, das war einmal ein freundlicher, zugleich aber auch furchteinflößender Ort. Dorthin wurde das Wenige getragen, das vom Taschengeld nicht für Yps-Hefte, Comics, Süßigkeiten, Knallkörper oder minderwertiges Spielzeug ausgegeben wurde. Eine seriöse Dame hinter dem Schalter nahm das Ersparte entgegen, vollführte mysteriöse Handlungen an mysteriösen Geräten und man war sich ganz sicher: Die wissen, was sie tun. Denen kann man vertrauen. Natürlich sind sich trotz Sparwillens, exorbitanter Zinsen und regelmäßiger Einzahlungen später, also bei Erreichen der Volljährigkeit, weder die Eigentumswohnung in Sievering noch ein neuer VW Golf mit tausend PS ausgegangen. Sondern nur die Kurzreise nach Oberitalien, 2. Klasse, ohne Frühstück.

Doch dafür konnte ja die Bank nichts, im Gegenteil. Das unerschütterliche Vertrauen in die Bank als Hüter unserer Finanzen wurde ja einmal jährlich um die Komponente der Großzügigkeit ergänzt. Ganze Heerscharen von Pensionisten und Schülern strömten in die Banken, und alle wurden gleichermaßen zuvorkommend mit fantastischen Geschenken überhäuft, die von unglaublich hohem Nutzwert waren und auch noch sehr gut aussahen. Die unverwechselbaren Sparefroh-Figuren, die sich so toll verrenken ließen, waren ein Symbol für die Unverwüstlichkeit der österreichischen Finanzwelt.

Auch diese Woche wird ein Weltspartag zelebriert. Wobei „zelebriert“ angesichts der derzeit möglichen Zinsen wohl nicht das richtige Wort ist: Für ein täglich fälliges Sparbuch gibt es derzeit ab 0,05 Prozent (richtig gelesen!) aufwärts, im Schnitt sind es 0,125 Prozent. Der Sparefroh sieht inzwischen aus wie ein Neos-Wähler, der sich auf eine ÖVP-Veranstaltung in der Hinterbrühl verirrt hat, die Spielzeuge würden in jedem Ein-Euro-Laden höchstens 50 Cent kosten und die Stehkalender hat wohl der gleiche Mensch designt, der für Erich Honecker einst die Glückwunschkarten an seine sowjetischen Genossen gestalten durfte.

Zugegeben, das Bemühen ist den Banken nicht abzusprechen, doch anno 2013 ist die Begeisterung für die Branche generell eher – naja – zurückhaltender geworden. Das liegt nicht nur an den Zinsen und der Auswahl der Spargeschenke. Die Banken haben im Zuge der Finanzkrise an Imagewerten eingebüßt, zudem gibt es hausgemachte Probleme, etwa im Online-Banking oder wenn es um den Datenschutz geht. Wirklich spürbar ist der Wandel, den die Banken (oder die gesamte Wirtschaft) erfahren haben, in den Filialen selbst: Zu Gesicht bekommt man dort hauptsächlich Automaten, sofern sie funktionieren und einigermaßen bedienbar sind. Der Kostendruck, der auf den Banken lastet, macht Rationalisierung notwendig – doch fragt sich der Kunde, ob zuweilen nicht an der falschen Stelle gespart wird. Statt in teure Imagekampagnen zu investieren, würde sich so Mancher beispielsweise echte menschliche Kontakte wünschen. Klar kennen wir einige Bank-Angestellte quasi persönlich, doch das geschieht halt hauptsächlich über die Medien .

Vielleicht liegt es ja nur an uns Kunden. Wir wollen unabhängig und modern sein, wollen schnelle Geschäfte im Internet und dennoch vollste Betreuung. Da konnten die Banken einfach nicht mithalten, selbst wenn sie zig Millionen in Apps und IT-Aufrüstung gesteckt haben. Aber so lange die Weltspargeschenke nicht aus dem Automaten kommen, besteht noch Hoffnung.

Robert Prazak

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