Was ein Homepage-Relaunch kosten darf…

lebensministerium.at ist wirklich eine tolle Seite. Bundesminister Niki Berlakovich grinst einem entgegen. Man darf sogar ein Tagebuch von ihm lesen und ein Porträt mit Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend – sofern man das wirklich möchte. Auch ein kleines Mädchen, als „Foto des Tages“, lächelt einem entgegen – immerhin ist „heute“ (28.9.) Schulmilchtag! Eine nette Wohlfühlseite im WWW.

Was ein Homepage-Relaunch kosten darf…

Mit Wohlfühlen ist aber spätestens Schluss, wenn man den Rohbericht des Rechnungshofs zum Landwirtschaftsministerium liest. Laut „Presse“ soll der nette Relaunch von lebensministerium.at bescheidene 4,39 Millionen Euro verschlungen haben. Ja, Sie lesen richtig: Vierkommaneunundreißig Millionen Euro.

Nun habe ich mich tatsächlich zehn Minuten eindringlich mit lebensministerium.at beschäftigt – dann war ich mit den wichtigsten Funktionalitäten durch. Der Rechnungshof kritisiert jedenfalls, dass der Preis für den Relaunch wohl deutlich zu hoch ausgefallen sei. Immerhin kostete die vergleichbare Seite des Parlaments ( http://www.parlament.gv.at/ ) "nur" rund 1,93 Millionen Euro.

Lieber Rechnungshof, beide Summen sind ein Hohn und eine massive Verschwendung von Steuergeldern! Weder lebensministerium.at noch die Seite des Parlaments sind in Erstellung und Design auch nur annähernd diese Summen Wert.

Ein noch größerer Hohn ist jedoch die erste kurze Stellungnahme – für die zweite hat das Ministerium drei (!) Monate Zeit – aus dem Büro des Ministers: „Man werde den Bericht genau prüfen, schließlich müssten die Ansichten des Rechnungshofs nicht immer den Tatsachen entsprechen, wiewohl Verbesserungsvorschläge selbstverständlich willkommen seien“.

Genau dieses abgehobene Verhalten, gepaart mit unfassbarer Geldverschwendung und Eitelkeit, ist ein Paradebeispiel für die verluderte Politkultur in Österreich. Rot und Schwarz haben jegliche politische Moral verloren. Dementsprechend verwundert es nicht, dass einem der Herr Berlakovich nicht nur von „seiner“ Homepage gefühlte 200 Mal entgegen grinst, sondern auch auf 94 Prozent aller Inserate des Ministeriums.

In Ländern ohne Status einer Bananenrepublik würde dieser Umstand für einen Rücktritt des Ministers allemal genügen. Da müsste man sich gar nicht erst über die Unappetitlichkeit eines 4,39 Millionen Euro teuren Relaunch für eine Pipifax-Homepage ärgern.

Damit wäre auch die Frage beantwortet, warum man denn nur auf die Idee kommen kann, Frank Stronach wählen zu wollen? Genau deshalb, wegen Berlakovich und Co.

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