Was Frank Stronach jetzt noch machen könnte...

Was Frank Stronach jetzt noch machen könnte...

Der Aufwand war enorm, das Ergebnis ernüchternd – und nun muss sich Frank Stronach auch noch mit seinen (von anderen Parteien) abgeworbenen Getreuen streiten.

Nein, der Ausflug des Milliardärs in die Niederungen der österreichischen Politik war bisher kein großer "Success". Das Image des als Unternehmer so erfolgreichen Austrokanadiers hat abseits seines Kerngeschäfts schon davor so manche Schramme abbekommen, etwa in der kanadischen Innenpolitik, im österreichischen Fußball, an der Pferderennbahn und in der Abteilung Weltkugel.

Während Stronach seinen Grant gerade auf seine Mitstreiter entlädt, dürfen wir auf weitere Projekte von ihm in der Heimat hoffen. Viel bleibt nicht mehr, denn Politik, Sport und Unterhaltungsindustrie dürften inzwischen abgehakt sein. Was könnte Stronach also jetzt noch tun?

Einige Vorschläge:

Eine Fluglinie gründen

Was ein ehemaliger Formel-1-Fahrer schafft, wird doch auch ein Milliardär schaffen. Eine "Air Frank" könnte den Preiskampf auf der Mittel- und Langstrecke neu entfachen. Natürlich braucht es entsprechendes Beratungspersonal von Niki Lauda abwärts, auch ehemalige AUA-Chefs würden sich prompt melden. Mit Dumping-Preisen, Beteiligung der Mitarbeiter (alles, was vom Essen übrigbleibt) und originellen Slogans ("Wollen Sie fliegen mit mir?", "Um 99 Schilling nach Berlin") kann man den alten Airlines in Europa kräftig Konkurrenz machen.

Ein Mode-Label gründen

Frank Stronach hat im Gegensatz zu vielen anderen Führungskräften ganz offensichtlich nichts gegen starke, unabhängige, selbstständig denkende Frauen an seiner Seite und zudem ein Faible für bestens angezogene und ebenso frisierte "Manager" . Was liegt also näher, als nun einen Ausflug in die große Welt der Haute-Couture zu wagen? Ein Oberwaltersdorf-Schaltuch, ein Magna-Racino-Parfum (created by Miss World), ein Nadelstreif vom Vranz – das ist es, worauf die Modehäuser zwischen Weiz und New York gewartet haben. Und zur Not wirft sich der Chef himself auf den Laufsteg – oben ohne.

Eine CD herausbringen

Mal ehrlich: Wenn ein ehemaliger Zahntechniker mit einer Art Rap-Gesang einen YouTube-Hit in Simmering schafft, dann lässt sich doch aus dem originellen Sprechgesang von Frank allemal ein One-Hit-Wonder basteln. Ausreichend Finanzkraft, um das Know-How von Spezialisten wie Dieter Bohlen oder Frank Farian zu kaufen, ist vorhanden. Und schließlich wurde schon einmal rund um Stronach-Sager ein kleiner Hit gebastelt.

Einen Medienkonzern gründen

Nicht zuletzt die verunglückten Auftritte im "ignoraten" ORF und ein generell absurder Umgang mit Medien zählten zu den Gründen, weshalb die Frank-Partei letztlich die erhoffte absolute Mehrheit knapp nicht schaffte. Weshalb also nicht in die Fußstapfen eines Rupert Murdoch treten und rasch ein Medienimperium aus dem Boden stampfen? Mit Fernsehsendern, Zeitungen und Online-Portalen könnten die Ideen von Stronach (sollten sich konkrete finden lassen), endlich wahrheitsgemäß unters Wahlvolk gebracht werden. Zugleich ließen sich Synergieeffekte heben, etwa durch Übertragung von Pferderennen und Versorgung ehemaliger und aktueller Mitstreiter mit entsprechenden Formaten ("Kathrins sozio-ökonomische Karrieretipps", "Budgetplanung mit KHG", "Frauentausch im Wahlkampfrausch", "Westis Diskotour").

Einen Think-Tank gründen

Das ist gerade sehr in Mode. In der Nische "ganz besonders abstruse Ideen" wäre aber noch ausreichend Platz. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus verdienen zum Beispiel neo-originelle Ansätze wie "Tod den Berufskillern" oder "Welches Wahlprogramm?" eine genauere Betrachtung. An Uni-Professoren und Ex-Journalisten, die sich in jede gewünschte Richtung drehen, mangelt es in Österreich zum Glück ja nicht.

Robert Prazak

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