Warum nicht gleich Arnold Schwarzenegger?

Frank Stronach wird das österreichische Politsystem nicht aus den Angeln heben. Da müsste schon einer wie der Terminator kommen.

Seit fast zwei Wochen ist er nun schon wieder weg. "Hasta la vista, baby“, sozusagen. Und sie, sie ärgert sich immer noch: Unternehmerin Monika Langthaler, ehemalige Grün-Abgeordnete, hat für Arnold Schwarzenegger dessen Umweltkonferenz in Wien organisiert. Ihr Zorn richtet sich gegen die "heimische Neidgesellschaft“. Die würde den einstigen Terminator immer noch als minderbemittelten, anabolikaschwangeren Muskelprotz abtun. Doch Arnie sei im persönlichen Umgang geistig höchst wach.

"Der Mann“, sagt Langthaler, "hat drei Weltkarrieren hingelegt. Wer hat das schon in Österreich?“ Stimmt: Bodybuilder, Schauspieler, Politiker. Mit Kalifornien regierte er sieben Jahre die achtgrößte Volkswirtschaft der Erde. Der Golden State steht noch.

Jetzt rettet er das Weltklima mit lokalen Projekten, ein schlauer Ansatz. In seiner "R20“-Foundation werken Minister, Professoren. In Kalifornien betreibt er ein Universitätsinstitut, das Führungskräfte in Umwelt, Gesundheit und Umsetzung politischer Reformen heranbildet.

Der 65-Jährige aus Thal bei Graz wird wie manch alternder Auswanderer von Heimweh geplagt. Wien, Graz, Kitzbühel, Schladming - Schwarzenegger ließ beim Home-Trip nichts aus. Was Spekulationen über einen Einstieg in die Politik anheizte. "Wenn der bei uns antritt, kriegt er aus dem Stand 40 Prozent“, sagte ein CEO eines großen Unternehmens nach einem Lunch mit Arnie. Gar nicht so unernster Zusatz: "Angela Merkel würde bei jedem EU-Gipfel neben dem Gouvernator vom Ballhausplatz alt aussehen.“

Jetzt landen wir hart auf dem Hosenboden der Realität. Arnie ist weg, Frank entschlossen zu bleiben. Vorerst zumindest. Frank Stronach, der 15 Jahre Ältere, kann auf ein ähnlich erfolgreiches Leben zurückblicken. Seine Magna ist ein Weltkonzern, Lehrstühle stiftet Stronach auch.

Anders als Schwarzenegger hat er noch nicht bewiesen, dass er auf anderen Feldern, etwa der Politik, reüssieren kann. In Kanada ist es schiefgegangen. In Österreich sieht es besser aus, Umfragen geben ihm bis zu zehn Prozent. Das hat weniger mit dem politischen Programm zu tun. Außer der schon abgedroschenen "Werte, Wahrheit, Transparenz“-Walze ist da wenig. Am Personal kann es auch nicht liegen. Einmalig, wer sich dem "Team Stronach“ angeschlossen hat. Ausgemusterte, Hinterbänkler absterbender Fraktionen; Gescheiterte, Grenzgänger etablierter Parteien; kein einziger von Ruf. In Kärnten ist sein Spitzenkandidat auch Handaufleger. Gegen diesen Trupp waren sogar Jörg Haiders Buberln seriöse Chorknaben. Okay, das ist jetzt übertrieben.

Stronachs Erfolg - vorerst nur in Umfragen - hat natürlich mit der alten Erlösergeschichte zu tun: Wann kommt einer, der Österreich aus dem Joch der großen Koalition befreit? Bis Anfang der 80er hatten SPÖ und ÖVP 91 Prozent der Stimmen und eineinhalb Millionen Parteimitglieder - die höchste Organisationsdichte im freien Europa. Dann kam Jörg Haider, der Ausgang der Geschichte ist bekannt. Statt des "Systems“ sprengte er sich und seine Partei in die Luft.

Die Erosion ging trotzdem weiter, blutleer drohen die beiden Ex-Volksparteien jetzt unter 50 Prozent zu sinken. Das Superwahljahr 2013 wird zur Zäsur, das ist klar. Insofern ist die Wahl in Niederösterreich in 14 Tagen historisch: Sie wird die letzte ihrer Art sein. Erwin Pröll und sein allmächtiger, paternalistischer Apparat verteidigen mit Zähnen und Klauen eine absolute Mehrheit, die künftige Generationen nur noch aus Geschichtsbüchern kennen werden.

Noch mehr kleinere Parteien in allen Parlamenten, unklare Mehrheiten, unmögliche Regierungsbildungen, noch geringere Sachorientierung und Rationalismus als bisher - das ist die Zukunft.

Eine hübsche Studie des Consulting-Unternehmens Kovar & Partners (befragt wurden Experten aus Beratung, Forschung und Wirtschaft) zeichnet ein düsteres Bild: Neben dem - positiven - Erstarken der Zivilgesellschaft werde die politische Krise auch zum "Wunsch nach einfachen Rezepten zur Lösung komplexer Sachverhalte“ führen: "Der berühmte Ruf nach einem starken Mann wird laut.“

Nun ist diese Prophezeiung nicht neu. Dass sie eintritt, ist aber um einiges wahrscheinlicher als noch vor fünf Jahren. Fest steht nur: Frank Stronach wird es nicht sein. Dazu ist er in seinen politischen, intellektuellen und auch physischen Mitteln zu eingeschränkt. Einer wie Schwarzenegger hätte da schon bessere Chancen, das Politsystem aus den Angeln zu heben.

Noch können sich die Faymanns und Spindeleggers zurücklehnen. Denn auf den Terminator trifft in leicht abgewandelter Form der Sager des einstigen FPÖ-Vizekanzlers Gorbach wirklich zu: "The world in Austria is too small.“
- Andreas Weber

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