Warum nicht gleich weniger Arbeit bei mehr Lohn?

Warum nicht gleich weniger Arbeit bei mehr Lohn?

Zum Nachdenken ist jetzt keine Zeit. Es ist ja Wahlkampf. Da wird in den War Rooms der Parteien lange gearbeitet, meistens auch mehr als zwölf Stunden am Tag. Denn wichtig ist, aus jeder Debatte möglichst viel politisches Kapital zu schlagen.

So lernen wir: Der Vorschlag der ÖVP, Arbeitszeiten in Österreich zu flexibilisieren, sei ein „Anschlag auf die Arbeitnehmer“ (FPÖ) beziehungsweise ein „Frontalangriff auf die Arbeitnehmer“ (SPÖ). Angesichts der Aufregung ist es ein Wunder, dass sich noch keine überparteiliche Initiative gebildet hat, die kurz vor der Wahl mehr Lohn für weniger und dafür ganz und gar einbetonierte Arbeitszeiten verlangt. Denn den Aussendungen zufolge würde der ÖVP-Vorschlag zu weniger Überstunden-Zuschlägen führen, alle würden ärmer, nur die Großkonzerne reicher.

Zudem gefährde, wer länger arbeite, seine Gesundheit, meint der sonst vernünftige Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Dabei wird Flexibilität auch von den Arbeitnehmern selbst gewünscht: Angeblich würden Österreichs Akademiker am liebsten bei Google angestellt werden – einem Unternehmen, das kaum fixe Zeiten kennt. Der SPÖ-Minister sagt auch nicht, dass es oft sinnentleerte Arbeit mit vielen Stehzeiten ist, die krank macht. Und darüber, dass Porsche, Bosch und Roche mit flexiblen Arbeitszeiten mehr Jobs geschaffen haben, denkt er jetzt wohl auch nicht nach. Es ist ja Wahlkampf.

- Miriam Koch

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