Vom lässigen Umgang mit Studien

Vom lässigen Umgang mit Studien

Dass Wissenschaftler oft die Hand nicht beißen, die sie füttert, ist nicht neu. Man muss da bei der Beurteilung der Ergebnisse ihrer Arbeit wohl eine gewisse realpolitische Abgeklärtheit an den Tag legen. Dass in diesem Wahlkampf Studien – echte wie vermeintliche – in nicht gekannter Weise für politische Zwecke missbraucht werden, macht aber betroffen.

Es begann mit dem IHS, das im Frühjahr in einer Untersuchung zum Schluss kam, Reichtum sei in Österreich gerechter als anderswo verteilt – indem es kurzerhand Pensionszahlungen zu Vermögenswerten erklärte. Auftraggeber: die Wirtschaftskammer. Präsentiert wurde das im Beisein des ÖVP-Chefs. Nun zog die SPÖ nach: Die Linzer Universität kam in einer Studie zum gegenteiligen Ergebnis. Auftraggeber: die Arbeiterkammer. Hatte das IHS bloß unorthodox gerechnet, verlassen sich die Linzer nun überhaupt nur noch auf Schätzungen.

Das Finanzministerium setzt alldem die Krone auf: Mit einer Expertise zum Thema „Firmenabwanderung“, von der lediglich eine halbseitige Conclusio existiert – die stark den Eindruck erweckt, als hätte eine Mitarbeiterin nach 20 Minuten Googeln das Papier verfasst.

- Klaus Puchleitner

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