Versteckte Kamera

Versteckte Kamera

Ein Kerzerl flackert, der dekantierte Wein atmet in der Karaffe, in der Bildmitte sieht man Menschen beim Dinner. Unscharf, in der Distanz, erkennt man den Tischredner. Ein grottiges Handy-Video mit schlechtem Ton, wie man es von Hochzeiten und Kongressen kennt. Das Problem: Dinnerspeaker war US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, der sich im vertrauten Kreis wohlmeinender Gleichgesinnter wähnte und entspannt vom Leder zog.

So wurde die Tischrede unfreiwillig zur weiteren Folge der recht erfolgreichen Serie „Romney springt ins Fettnäpfchen“. Man kann ihm nicht viel vorwerfen: Er hat sich klar ausgedrückt, das ist gut für die Orientierung der Wählerschaft. Ein unverzeihlicher Schuss ins Knie war es hingegen für seine Entourage, die der Konkurrenz die polierte Wahlkampfmunition auf dem Silbertablett serviert.

Wofür Bernstein und Woodward bei Watergate noch monatelang recherchieren mussten, dafür reicht heute ein Video-Reporter.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob dieser Schnellschuss getroffen hat. Die öffentliche Erregung wird nirgendwo schneller verbreitet als auf YouTube, sie ebbt aber auch nirgends schneller wieder ab.

Barbara Mayerl

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