Verheerende Aussichten

Verheerende Aussichten

Europa war schon einmal sicherer. Ein Blick in die von Wien nicht einmal 600 Straßenkilometer entfernte Ukraine beweist Tag für Tag: militärische Gefechte, abgeschossene Hubschrauber, Häuserkämpfe, drohender Bürgerkrieg - Perspektive unklar.

Einige europäische Länder reagieren aktiv auf die Bedrohung im Osten: Polen will sein Heer bis 2022 um 25 Milliarden Euro aufrüsten, allein für heuer sind zwei Milliarden für Luftabwehr und Panzermodernisierung eingeplant. Das neutrale Schweden passt seine Militärdoktrin an und will den Verteidigungsetat um jährlich 600 Millionen aufstocken. Finnland setzt auf seine im Kriegsfall 350.000 Mann umfassenden Streitkräfte. Rumänien lässt die USA gerade um 190 Millionen eine Militärbasis zur Raketenabwehr errichten. Und was macht Österreich? Dem Heer stehen im neuen Budget gerade einmal 1,8 Milliarden zur Verfügung. Davon gehen 1,3 Milliarden für Personalkosten drauf.

Ergebnis des jahrzehntelangen Aushungerns: Uniformen, Material und Transportmittel sind aus der Steinzeit, und nicht einmal für die Wartung oder Sprit gibt es genug Geld. Die Personalstärke beträgt gerade einmal 47.000 Mann, davon 8.000 Zivilbedienstete. Oh ja, die Militärmusik spielt bei Staatsbesuchen recht schön. Im Fußball spräche man von Verhöhnung des Gegners - in der Realpolitik von unverantwortlichem im Stich Lassen der eigenen Bevölkerung. Niemand will sich einen Krieg in Europa vorstellen, so wie sich niemand einen Autounfall vorstellen will - trotzdem schließt man eine Versicherung ab. Österreich hat derzeit keine.

- Florian Horcicka

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