Unter Nachbarn

Martina Bachler über den Knick in der deutschfranzösischen Achse.

Erst der Kracher: Ein internes Papier der französischen Sozialisten geißelte den „unnachgiebigen Egoismus der Kanzlerin“ Deutschlands, die „nur an ihre Außenhandelsbilanzen und den Wahlkampf“ denke. Dann die Relativierung: Die Sozialisten wollen „die Rechten in Europa bekämpfen“.

Schließlich das Wogenglätten: „Paris und Berlin müssen zusammen arbeiten, gleichgültig wie die Konjunkturen, die regierenden Personen oder ihre Empfindlichkeiten sein mögen“, sagte der französische Präsident Francois Hollande Anfang Mai.

Echte Freundschaft hört sich anders an. Die Achse zwischen Frankreich und Deutschland, die seit Beginn der Krise die Europapolitik bestimmte, ist gebrochen. Bis zu einem gewissen Grad war das auch erwünscht: Von Hollande, der Nicolas Sarkozy an der Staatsspitze verabschiedete, waren neue Impulse erwartet worden. Er hatte seinen Einsatz für Wachstum und Arbeitsplätze versprochen, er sollte das Gegengewicht zur Sparpolitik Deutschlands bilden. Gemeinsam sollte das Duo Europa besser und sozial verträglicher aus der Krise führen.

Doch es ist anders gekommen. Frankreich scheint mehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt als an europäischen Lösungen zu arbeiten. Aus dem deutschen Bundeskanzleramt wurde beklagt, Hollande würde sich vor der deutschen Wahl im Herbst aus Gesprächen zurückziehen. Luxemburg will vermitteln. Klar ist: Wenn sich nicht einmal diese beiden Nationen auf gemeinsame Maßnahmen einigen können, wie soll das dann im Plenum gelingen?

- Martina Bachler

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