Uns geht’s doch gut, oder?

Uns geht’s doch gut, oder?

Eine aktuelle Studie des GfK-Institutes hat ergeben, dass über 40 Prozent der 20- bis 29-Jährigen in Österreich das "Hotel Mama" als höchst komfortabel empfinden. Sie bleiben lieber zu Hause wohnen, als sich auf eigene Beine zu stellen. Eine nicht unbedenkliche Entwicklung, was Eigeninitiative und Übernahme von Verantwortung betrifft.

Ex-Finanzminister Hannes Androsch, noch immer einer der besten politischen Köpfe des Landes, hat ein neues Buch geschrieben. "Das Ende der Bequemlichkeit“, so der Titel, wäre auch ein gutes Motto für jede Partei, die demnächst zur Wahl antritt. Theoretisch. Praktisch natürlich nicht, weil es danach klingt, dass wir uns mehr anstrengen müssen, um unseren Lebensstandard zu erhalten. Und das ist so was von unpopulär - nicht nur bei jungen Nesthockern.

Die Leute in den Regierungsparteien sind Profis, darum besagt ihre Generalbotschaft auch das Gegenteil: Wir haben es nicht nötig, etwas zu verändern. Uns geht’s gut, weil wir "mit sicherer Hand“ durch die Krise geführt wurden. Und überhaupt: "Österreich gehört den Optimisten“ - die bekanntlich immer das Positive sehen.

Man kämpft "für leistbares Wohnen“ und "um jeden Arbeitsplatz“. Das wollen Wähler hören, und genau das bekommen sie geboten. SPÖ und ÖVP haben es schon in den letzten sechs Jahren peinlich vermieden, politische Führung zu übernehmen und dem Land Zukunftsperspektiven zu geben. Warum sollten sie ausgerechnet im Wahlkampf beginnen?

Was wir von der nächsten Legislaturperiode erwarten können, lässt sich von den politischen Debatten zu wichtigen Themen ableiten: Sie sind entweder kleinkariert oder kommen erst gar nicht vor. Auch ohne wieder das Lehrerdienstrecht zu bemühen, gibt es genug Beispiele: Die ÖVP macht einen Vorstoß, das Frauenpensionsalter schon vor 2024 anzuheben. Die SPÖ lehnt ab, die Schwarzen ziehen zurück. (Weil die Renten ja bis zum jüngsten Tag gesichert sind?!)

Die ÖVP bringt den nicht gerade brachial-kapitalistischen Vorschlag, im Rahmen der Flexibilisierung bis zu zwölf Arbeitsstunden pro Tag zu ermöglichen. Gewerkschaft und SPÖ sagen nein, weil sie um die Überstundenzuschläge fürchten. Die Schwarzen rudern zurück.

Dass Unternehmen immer weniger in Österreich investieren und ihr Geld lieber in Asien und Amerika ausgeben, bereitet weder Werner Faymann noch Michael Spindelegger Sorgen - und sonst offenbar auch niemandem. Sowieso kein Thema ist die Verringerung der Staatsausgaben, weil wir ja auch mit einer der höchsten Abgabenquoten der Welt gut leben.

Wie lange noch, damit sollen sich Nörgler wie Androsch beschäftigen. SPÖ und ÖVP treten an, um den Status Quo für weitere fünf Jahre unangetastet zu lassen: Jede Stimme für die beiden Regierungsparteien ist ein Votum für den Stillstand.

Nicht dass die Alternativen zum Jubeln wären. Die FPÖ steht jenseits dessen, was eine ernsthafte Auseinandersetzung lohnt. Das Team Stronach ist eine unberechenbare Laienspielertruppe. Die Grünen geben Anlass zur Hoffnung, haben aber noch nicht bewiesen, dass ihnen wirtschaftliche Stärke wichtiger ist als Radwege. Und die liberalen Neos zeigen zwar durchaus erfrischende Ansätze, werden es aber - leider - wohl nicht ins Parlament schaffen.

Die nicht sehr tröstliche Aussicht: eine Neuauflage der bisherigen Koalition, die noch weniger "groߓ, sondern Mittelmaß ist. Statt das Ende der Bequemlichkeit einzuläuten, wird sie das Bequeme der Endlichkeit zelebrieren - indem die jetzt agierenden Politiker es nicht mehr selbst ausbaden müssen, wenn ihre Versäumnisse für jedermann spürbar werden.

2018 wird es uns nicht mehr ganz so gut gehen. Österreich wird bei wichtigen Standortfaktoren weiter von Jahr zu Jahr zurückgefallen sein und im unteren Mittelfeld liegen, die Arbeitslosenquote wird nicht mehr die geringste in Europa sein.

Aber dann packen wir’s wirklich an!

- Andreas Lampl

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