Tödliche Mischung aus Gier & Geiz

Michael Schmid über Brandkatastrophen bei der Billigtextilerzeugung.

Mehr als hundert tote Textilarbeiter beim Brand einer Fabrik, die in Bangladesch Billigtextilien produzierte - unter anderem für Handelsketten wie KiK, C&A oder Wal-Mart. Unter dem Eindruck der Katastrophe, die wieder einmal ein Schlaglicht auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten wirft, stehen die Diskonter nun am Pranger. Wal-Mart reagierte am schnellsten und beendete die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten, der die Fabrik angeblich unerlaubterweise als Subunternehmer beauftragt hatte. Zu spät für die Opfer. Wie auch für jene weiteren 600 Menschen, die in Textilfabriken Bangladeschs bei Bränden in den letzten Jahren umgekommen sind. Doch für die globalen Auftraggeber werden Arbeitsbedingungen und Brandschutz an weit entfernten Produktionsstandorten offenbar immer erst dann zum Thema, wenn imagemäßig der eigene Hut zu brennen beginnt.

Und die reflexartig hervorgebrachte Reaktion, schuld seien ja letztlich die Geiz-ist-geil-Konsumenten in den Industrieländern mit ihrer Gier auf T-Shirts um 1,99 Euro, ist - billig. Viel zu billig. Wer sich beim Diskonter einkleidet, tut dies selten aus Geiz oder schrägem Lifestyle-Feeling, sondern aus materieller Not. Oft weil der Job der Globalisierung zum Opfer gefallen ist und in ein Billiglohnland verlagert wurde. So wird die globale Wertschöpfungskette zur - von Reinhard Göweil in der "Wiener Zeitung“ treffend so bezeichneten - Wertvernichtungskette.

- Michael Schmid

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