"The Sexiest Man Alive 2012"

Barbara Mayerl über einen Scherz und die weltpolitischen Folgen.

Wenn er irgendwo auftritt, gerät das weibliche Geschlecht in Verzückung. Er hat viel Macht, zeigt sie gern. Derartiges kann man nicht unkommentiert lassen, dachten sich die Redakteure des US-Satiremagazins „The Onion“. Und kürten den nordkoreanischen Pummel-Diktator Kim Jong-un zum „Sexiest Man Alive 2012“.

Die Meldung landete beim regimetreuen chinesischen Portal „People’s Daily“, wo das Ganze ironiefrei ankam und gleich noch mit den geilsten Bildern des Diktators zum Durchklicken garniert wurde. Ein aufgelegter Elfer für die US-Satiriker. Die sandten postwendend Lob an die chinesischen Kollegen für die „beispielhafte Reportage der Kameraden vom stolzen kommunistischen Ableger von ‚The Onion‘“. Die haben wohl Tränen gelacht wie sonst nur beim Zwiebelschneiden.

Aber das Ganze ist ziemlich sicher ein abgekartetes PR-Spiel von Kim Jong-un, der weiß, dass er sich in kritischen Momenten auf seine chinesischen Freunde verlassen kann. Die voten ihn jetzt wahrscheinlich auch beim „Time“-Ranking zur einflussreichsten Person des Jahres 2012 hoch. Da liegt er schon auf Platz 2 hinter dem ägyptischen Staatspräsidenten Mursi. Kim Jong-uns Sieg wäre eine g’mahte Wiesn, würde er seinen Fans zuhause in Nordkorea Internetanschlüsse zugestehen. It’s the internet, stupid!

- Barbara Mayerl

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