Stronach riskiert nichts, die NEOS alles ...

Stronach riskiert nichts, die NEOS alles ...

Skurriles Österreich: Die Partei, des Mannes, der sein eigenes Geld in die Hand nimmt", um Österreich voran zu bringen darf sich schon jetzt aus dem Säckel des Steuerzahlers bedienen. Seltsam, oder?

Was kostet ein Nationalratsabgeordneter? Brutto bringt es ein österreichischer Nationalratsabgeordneter per Monat auf 8.160 €, bei den in Österreich üblichen 14 Monatsgehältern wären das 114.240 € jährlich. Um die tatsächlichen Kosten eines Mitarbeiters zu ermitteln ist in der Wirtschaft ein Schlüssel vom Bruttogehalt mal 1,3 üblich. Umgelegt auf einen Nationalratsabgeordneten würde dies Kosten von 148.512 € bedeuten.

So weit so gut. Bleibt die Frage, was bringt ein Nationalratsabgeordneter? Ein Einzelner, wahrscheinlich wenig. Wenn man allerdings über einen ganzen Klub verfügt, dann kann das ein durchaus lukratives Geschäft sein. Glaubt man einem Artikel in der Presse, so bringt der Klubstatus, den das Team Stronach seit kurzem innehat, der politischen "Bewegung" des Multimillionärs im kommenden Jahr eine Summe von 1,424 Millionen €, umgelegt auf die fünf Abgeordneten des Klubs heißt dass: 284.800 € pro Abgeordneten.

Auf gut Deutsch: Der Mann, der sein eigenes Geld in die Hand nimmt, um Österreich voran zu bringen, darf sich schon jetzt - ohne jemals bei einer Wahl angetreten zu sein - über ein erkleckliches Budget freuen.

Szenenwechsel: "Wir haben eine Parteienförderung, die völlig jenseitig ist. Wir haben 300 Millionen Budget für die fünf Parteien. Und dann kommen die her, nachdem sie elf Jahre die Familienbeihilfe nicht erhöht haben und legen sich auf Bundesebene noch einmal 20 Millionen drauf – im Juni dieses Jahres. Das versteht kein Mensch mehr, das will keiner mehr. Da geht mir das Geimpfte auf. Das ist so was von ignorant, das ist zynisch. Deshalb ist eines unserer Ziele, die öffentliche Parteienförderung bis 2020 um 75 % zu senken." , sagt Matthias Strolz, Unternehmer und Vorsitzender der NEOS (Neues Österreich) im Format-Interview. „Im Parlament sitzen lauter Leute mit einer Fußfessel, das wollen wir ändern.“Format-Interview (Volltext).

Geld ist nicht das Einzige, was das "Team Stronach" von Strolz und seinem Team trennt. Während der austro-kanadische Multimillionär, von Medien hofiert, mit "parlamentarischen Hinterbänklern" in den Kampf zieht, versammeln sich unter der pinkfarbenen NEOS-Flagge Steuerberater, Ärzte, Freiberufler, Unternehmer und Angestellte (jeweils auch in der weiblichen Form), die bisher wenig bis gar nichts mit Politik zu tun hatten. Für die etablierten Medien – vor allem den ORF (TV) – aber auch für die Politik-Experten des Landes, die sich gerne in die Medien drängen, lauter No-Names, die auf Grund des Fehlens von prominenten Namen bei den Wahlen "geringe Chance haben".

Nun, denn: Man wird sehen, was die Wahlen bringen.

Fakt ist jedenfalls, dass Stronach für den Fall, dass sein Projekt schief geht, ausgesorgt hat. Im Unterschied zum Vorsitzenden der NEOS, der für seine "politische Karriere" sein Erspartes (sollte ca. für ein Jahr reichen, wie er sagt) angreift.

Fakt ist auch, dass sich Stronachs Forderung von Abgeordneten, die nach zwei Legislaturperioden ihr Mandat zurücklegen müssen, um die Gesetze, die sie beschlossen haben am eigenen Leib zu erfahren, wenig Charme birgt. Ein "Berufspolitiker", der nichts anderes gelernt hat, könnte spätestens am Ende der ersten Legislaturperiode dazu neigen, sich als "Lobbyist" zu etablieren (siehe Strasser).

Der umgekehrte Fall, dass Österreicher/Innen, die seit Jahren oder Jahrzehnten, die im Parlament beschlossenen Gesetze, und vor allem deren Interpretation und Umsetzung durch die Bürokratie miterleben, ins Parlament einziehen und dort ihr Praxiswissen einbringen birgt einen gewissen Reiz, oder?

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