Straches Horden und Fayeggers Versagen

Straches Horden und Fayeggers Versagen

Die Diskussion um den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) ist kaum noch zu ertragen. FPÖ-Obmann H.C. Strache und seine wild gewordenen Horden wittern Morgenluft.

Kein Vergleich ist zu blöd – das allein ist noch nicht überraschend. Aber die Aggressivität, mit der „Finanzdiktatur“ gegröhlt wird und Vergleiche mit Hitlers Ermächtigungsgesetz gezogen werden, das ist sogar für den größten Zahntechniker aller Zeiten neu. „Wer unterschreibt denn das,“ brüllte er, ohne sich weiter mit lästigen Tatsachen aufzuhalten.
Natürlich sind die 21 Milliarden, mit denen Österreich im schlimmsten Fall beteiligt ist, eine große Summe. Aber sie bleibt im Rahmen: Es ist die Wirtschaftsleistung des Landes in rund 16 Tagen. Und so wie es aussieht, werden damit Verwerfungen und Konstruktionsfehler in der Eurozone repariert – Konstruktionsfehler einer Währung, von der Österreich als Exportland neben Deutschland bisher am meisten profitierte.

„Wer unterschreibt denn das?“, fragte Strache. Zum Beispiel sein großes Vorbild, Parteifreund und Mentor Jörg Haider hätte das vermutlich unterschrieben. Denn dieser bürdete dem wirtschaftlich brustschwachen Kärnten allein eine ähnlich hohe Summe auf, um die Hypo Alpe Adria zum Bankomaten des Landes umzufunktionieren. Der Unterschied zum ESM: 21 Mrd. Euro sind für Österreichs südlichstes Bundesland die Wirtschaftsleistung von etwa eineinhalb Jahren. Wortmeldungen Straches dazu sind nicht bekannt.

Ebenso wenig sind aber auch verständliche Erklärungsversuche und professionelle Kommunikation der Regierungsparteien zum ESM bekannt, Strache wird so ein weites Betätigungsfeld überlassen. Das könnte sich bei den nächsten Wahlen bitter rächen.

Eine Wahrheit, die in mehreren Sätzen vermittelt werden muss, unterliegt immer einer Lüge, die in einem einzigen Satz gesagt werden kann. Diese Wahrheit aus US-Wahlkämpfen sollte Werner Faymann und Michael Spindelegger nicht davon abhalten, es dennoch zu versuchen.

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