Stilles Haus und nichts darf raus

Stilles Haus und nichts darf raus

Krawattenzwang, Zwischenruf-Strafen, Sweatshirtverbot, Twitter-Verbot. Die ÖVP übt sich seit Wochen darin, die Umgestaltung des Parlaments zur strengen Kammer zu verlangen. Und was "streng“ heißt, definiert natürlich die weltoffene und moderne Volkspartei.

Womöglich haben die Mannen und Frauen um Michael Spindelegger immer noch nicht verstanden, warum ihnen Wähler abhandenkommen. Vielleicht dauert das einfach noch fünf oder gar zehn Prozentpunkte. Bis dahin bauen sie an ihrer Trutzburg und scheuen sich nicht, die wenigen noch angesehenen Institutionen des Landes für ihr in die Jahre gekommenes Weltbild zu missbrauchen. Aber Frauen am Herd, Kreuze in Schulen, Beten am Sonntag und Schlips am Kragen waren vorgestern. Heute ist Twitter, Facebook, WikiLeaks und legere Kleidung - auch im Parlament gilt das. Man darf heutzutage außerdem straflos sagen, was man sich denkt. Dass nun die Sozialdemokratin Barbara Prammer in den VP-Kanon einstimmt und im Parlament gerne vieles im Geheimen abwickeln würde, passt leider zum Trend. Die Regierungskoalition machte aus dem Hohen Haus am liebsten ein Stilles Haus. Und nichts darf mehr raus. Das wäre Parlamentarismus zum Abgewöhnen.

Dem Autor auf Twitter folgen:

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten

Kommentar

Standpunkte

Stiegl-Eigentümer Heinrich Dieter Kiener: Auf ein Bier mit John Maynard Keynes