Stephan Klasmanns "querformat":
Wir sind Kaiser

Jetzt ist sie endlich da, die Qual der Präsidentenwahl. Wobei das Quälende nicht in der Schwierigkeit besteht, sich für eine oder einen der drei Kandidaten zu entscheiden, sondern eher darin, dass es sich um einen Urnengang ohne Alternativen handelt, also um eine Scheinwahl.

Scheinwahlexperten unterscheiden zwei Typen von sinnlosen Urnengängen. Erstens die aktive Scheinwahl, wie sie in der DDR üblich war: In der Berliner Volkskammer hatte die SED ja keineswegs die Mehrheit, sondern nur 25,4 Prozent. Es gab Gewerkschaftsparteien, Arbeiterparteien, „Freie Deutsche Jugend“, „Kulturbund“, „Freier Deutscher Frauenbund“, was auf den ersten Blick den Eindruck eines breiten demokratischen Spektrums vermittelte. In Wahrheit war aber dann doch alles SED. Davon zu trennen ist die passive Scheinwahl, wie die aktuelle Bundespräsidentenwahl. Hierbei gibt es zwar vorgeblich mehrere Kandidaten, doch von denen ist ohnehin nur einer wählbar, was die ganze Veranstaltung im demokratischen Sinne doch eher abwertet.

Andererseits ist es verständlich, dass ernsthafte Kandidaten etwa seitens der ÖVP darauf verzichten, gegen den Amtsinhaber anzutreten. Sie wären ohnehin chancenlos. Er hat keine Fehler gemacht, kennt den Job und wird daher – wie alle anderen Präsidenten, die sich zur Wiederwahl gestellt haben – mit haushoher Mehrheit gekürt werden. Wir werden daher bei jeder zweiten Wahl zum ersten Mann im Staate ähnlich lähmende Stimmzettelübungen machen müssen.

Doch es gibt einen Ausweg. Die Rückkehr zur Monarchie. Die Vorteile wären mannigfaltig. Könige und schon gar Kaiser – und unter einem Kaiser geben wir es ja schon aus historischen Gründen nicht – haben eben ein eigenes Flair, das Präsidenten fehlt. Bei allem Respekt vor Polens Kaczynski: Aber was waren schon die paar Tausend Trauernden bei seinem Begräbnis gegen die sechs Millionen bei Prinzessin Diana – und das bei durchaus vergleichbarer Todesursache. Das Interesse für die Liebesaffären der beiden Töchter von Ex-US-Präsident Bush war ebenfalls überschaubar im Vergleich zum Hype um die Briten-Prinzen William und Harry.

Auch die Wirtschaft würde profitieren. dDer Wechsel der Garde vor der Hofburg könnte als neuer Fixpunkt ins Wiener Fremdenverkehrsprogramm aufgenommen werden. Und wenn der Andrang zu groß ist, dann wird eben im Halbstundentakt gewechselt. Weiters könnte durch Verleihung von Adelstiteln gegen Geld das Budget aufgebessert werden. 200.000 Euro für einen Grafen; 500.000, wenn der Titel erblich sein soll; drei Millionen für einen Herzog – das hat uns ja schon die katholische Kirche mit ihrer florierenden Simonie vorexerziert.

Die Frage ist bloß noch, wer sich für diese Position eignet. Traditionalisten würden sich sicherlich für die Habsburger starkmachen, die ja immerhin über ein paar Jahrhunderte Regierungserfahrung verfügen – Unser Motto: Kaiser Otto.

Für eingefleischte Demokraten könnte man als Kompromiss die Idee des Wahlkönigtums wiederbeleben, das von 1356 bis 1806 galt und bei dem der Monarch durch die Kurfürsten (erst sieben, später neun) gewählt wurde. Kandidaten für Kurfürsten hätte ich auch schon parat: Michael Häupl, Erwin Pröll, Wolfgang Ambros, Dagmar Koller, Richard Lugner, Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler und natürlich Robert Palfrader. Ich glaube die Rückkehr zur Monarchie würde uns leichter fallen als so manche Bundespräsidentenwahl.

klasmann.stephan@format.at

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