Stephan Klasmanns "querformat":
Werden auch Sie Weltrekordhalter

Wir Menschen gehen oft merkwürdigen Tätigkeiten nach, deren Befriedigungspotenzial anderen gänzlich verschlossen bleibt. EU-Ratspräsident Van Rompuy dichtet japanische Dreizeiler, Verbund-Chef Anzengruber sammelt Nashörner, und ich schreibe seltsame Kolumnen.

Manche Menschen sind in ihren Hobbys sogar so herausragend, dass sie in ihrem speziellen Genre Weltrekorde aufstellen. So verbesserte ein englischer Architekt diese Woche den Rekord im Unterhosenanziehen. Obwohl eine Randsportart, ist die neue Bestleistung doch auch für Laien beeindruckend: Der Herr streifte sich 211 dieser unentbehrlichen Bekleidungsstücke über – 11 mehr als der bisherige Rekordhalter. Er fühlte sich, so der strahlende Champ, befragt nach seinem Be_ nden während der textilen Höchstleistung, wie ein riesiger Tennisball. Der Frage nach dem Sinn sollten Sie sich an dieser Stelle besser enthalten. Das fast schon Rührende dieser exotischen Rekorde ist eben gerade, dass sie sich der Vernunft so fundamental verweigern. Hamburgerwettessen, Handyweitwurf, Kirschkernzielspucken, Dauerklavierspielen – was für herrliche Disziplinen, in denen sich auch der herkömmlich Unsportliche weltmeisterlich beweisen darf.

Und da eigentlich jeder ein besonderes Talent hat, steht unserem individuellen Rekord nichts entgegen. We are the champions, my friend. Wir müssen uns nur die Sportart unseren Gaben entsprechend aussuchen.

Das gilt auch für die oft hämisch verspotteten Politiker. Auch sie haben ihre ganz persönlichen Stärken, die sie im richtigen Bewerb zum Ausdruck bringen können. So braucht sich etwa Barbara Rosenkranz nicht über ihre bevorstehende Wahlniederlage zu grämen. Nach ihren bereits beachtlichen Vorleistungen wäre ein Rekord in der Disziplin maximale Schwangerschaftszeit innerhalb eines Frauenlebens mit entsprechender Ausdauer durchaus erreichbar. Karl-Heinz Grasser ist dagegen im vor allem von Politikern, Trickdieben und Schulschwänzern hochkarätig besetzten Bewerb „Er_ nde innerhalb von drei Minuten die meisten fadenscheinigen Ausreden“ ein echter Siegesanwärter.

Besonders beliebt bei Rekordjagden sind Ausdauerdisziplinen. Hier könnte auch H.-C. Strache punkten, etwa im Dauer-Paintball- Spielen. Der FP-Chef hätte sicherlich das Zeug dazu, den aktuellen Rekord von dreieinhalb Wochen weiter zu verbessern. Zusätzlicher Vorteil: Auch die innenpolitische Bühne würde durch seine dadurch erzwungene Abwesenheit entlastet.

Für unseren Bundeskanzler bieten sich gar zwei Marathon-Wettbewerbe an: zum einen Dauergrinsen ohne medizinische Hilfsmittel (zur Erklärung: In der Vergangenheit wurden in diesem Wettbewerb vor allem von Schauspielern immer wieder Dopingmittel wie Mehrfach-Faceliftings eingesetzt, durch die sich das Gesicht zu permanentem Grinsen verzieht; diese unfairen Methoden wurden 2006 von der WGF, der Welt-Grinse- Föderation, verboten); zum Zweiten läge auch der Gewinn der Goldenen Kniescheibe für Dauerknien vor Boulevardzeitungen in Reichweite. Hauptkonkurrent Berlusconi wurde disquali_ ziert. Ihm gehören die Medien ja selbst.

Wirkliches Pech hat jedoch Josef Pröll. Dem Vernehmen nach trainiert er seit Monaten hart für den Sieg im Budgetlochstopfen, ist jedoch in dieser Disziplin dem griechischen Finanzminister hoffnungslos unterlegen. Aber Kopf hoch: Auch dem ÖVP-Chef fehlen nur 212 Unterhosen zur Unsterblichkeit.

klasmann.stephan@format.at

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