Stephan Klasmanns "querformat":
Raucherpein

"Gute Gesellschaft ist den meisten Bürgern wichtiger als gute Luft."

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein gut gehendes Motorradgeschäft. Ihre Stammkundschaft liebt die heißen Öfen, Ihre freundliche, kompetente Beratung und die großzügige Ausstellungsfläche. Da betritt ein Magistratsbeamter Ihren Salon und erklärt, Sie hätten künftig zwei Drittel der Verkaufsfläche für Pferdefuhrwerke zu reservieren. Sie argumentieren verzweifelt, dass Ihre Klientel leider keinerlei Interesse an dieser Art von PS hätte und dass sich die geschätzten Kutschen-Fans doch an ein entsprechendes Fachgeschäft wenden mögen. Doch die Rossapfel-Kamarilla hat ganze Arbeit geleistet: Der Platz für die Fuhrwerke muss her, das steht so im Gesetz. Kurze Zeit später drängt sich Ihre treue Klientel in einer Ecke des Geschäfts, während die schmucken Kutschen mangels Interessenten langsam Staub ansetzen – alles in allem eine ziemlich geschäftsschädigende Situation.

So ähnlich geht es derzeit vielen Wirten und Cafetiers. Denn
der Befund einen Monat nach Inkrafttreten der neuen Raucherbestimmungen in der Gastronomie ist eindeutig. Die dekretierten Nichtraucherbereiche sind weitgehend leer, während sich in den Raucherzonen die Gäste drängen. Aus der Sicht eines serviceorientierten Unternehmers ist dieser Umgang mit seinen Kunden geradezu absurd. Für eine Klientel, die es offenbar nicht gibt, müssen Flächen reserviert werden, die den tatsächlichen Gästen fehlen.

Die aktuellen Raucherbestimmungen sind ein massiver Eingriff in die persönliche Freiheit – und zwar in jene des Unternehmers, nicht in jene des Gastes. Sie verstößt gegen die von der EU eigentlich garantierte Erwerbsfreiheit. Wieso soll es jemandem verboten sein, eine Dienstleistung – etwa das Servieren von Speisen und Getränken – für eine definierte Zielgruppe – nämlich Raucher – anzubieten? Mit Nichtraucherschutz hat das gar nichts zu tun, denn niemand ist gezwungen, ein solches Lokal zu betreten, und es gibt ausreichend Küchen- und Servierpersonal, das selbst qualmt und durchaus froh wäre, deswegen am Arbeitsplatz nicht vor die Tür gehen zu müssen.
Ganz anders ist das natürlich bei Krankenhäusern, Ämtern, oder anderen öffentlichen Räumlichkeiten, die ein Bürger zumindest dann und wann aufsucht – etwa öffentliche Verkehrsmittel, Bahnhöfe oder Flughäfen. Hier muss selbstverständlich striktes Rauchverbot herrschen. Aber im Beisl um die Ecke?

Gäbe es genügend Interesse an rauchfreien Gaststätten, so
fänden sich zumindest in den Ballungsräumen längst Dutzende gut gehende Nichtraucherlokale. Nachfrage schafft Angebot. Die gibt es aber nicht. Die wenigen Unternehmer, die versucht haben, solche Gaststätten zu führen, sind meist gescheitert. Und der Grund für dieses Scheitern ist unter anderem ein sehr sympathischer: Die Bürger sind erheblich toleranter als der Staat. Die Tabakabstinenten haben nämlich in der Regel kein Problem damit, sich mit ihren qualmenden Freunden in die Raucherzone zu setzen und ihnen damit den Gang an die Bar oder gar vor die Tür zu ersparen. Gute Gesellschaft ist den meisten viel wichtiger als gute Luft.

Das interessiert die Brüsseler Gesundheitsapostel freilich gar nicht. Sie werden die Raucher spätestens 2014 in Klubs verbannen und dem Tabak damit endgültig jenen Nimbus von Verbot und Verruchtheit geben, den gerade Jugendliche so anziehend finden.

PS: Bloß um mir zornige Leserbriefe zu ersparen, die mich der Befangenheit des Süchtigen zeihen: Ich selbst rauche ungefähr 40 Zigaretten. Pro Jahr.

klasmann.stefan@format.at

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