Stephan Klasmanns "querformat": Ode an die Hymne

Angesichts der Budget-Misere sollten wir unsere Hymne für Sponsoren attraktiver machen.

Nur noch wenige Wochen, dann ist es so weit. Im Herbst wird das Parlament endlich unser dringlichstes Problem verabschieden: Der Text unserer Bundeshymne wird geschlechtsneutral. „Heimat großer Töchter, Söhne“ soll „Heimat bist du großer Söhne“ ablösen. Die AbgeordnetInnen (Copyright: Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek) werden unsere nationale Lobpreisung endlich von den machistischen Relikten des vergangenen Jahrhunderts befreien und dem mahnenden Credo der Konstruktivisten, wonach Sprache Wirklichkeit schafft, Genüge tun.

Doch ach: Die wortgewordene soziale Ausgewogenheit ist in Wahrheit keine solche. So fehlt beispielsweise in dem nun gewählten Text eine generationenübergreifende Ausgewogenheit. Denn wo Töchter und Söhne – und noch dazu große –, muss es ja wohl auch Mütter und Väter – womöglich auch große – gegeben haben. Also auf ein Neues: „Heimat großer Töchter, Söhne. Mütter, Väter tolle, schöne.“ Immerhin schon eine Verbesserung!

Allerdings muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die exklusive Erwähnung der Dome eine schwere Diskriminierung unserer jüdischen und muslimischen Mitbürger darstellt, denn von Synagogen oder Moscheen ist ja keine Rede. Und die von Paula von Preradovic listig verpackten Ausgrenzungen gehen über religiöse Punzierungen noch weit hinaus: Die Zeile „Land der Äcker, Land der Dome“ verweist zwar auf die Bedeutung des Bauernstandes und des Klerus, doch kommt beispielsweise die Forstwirtschaft – mit vier Prozent des heimischen Nationalprodukts eine der wichtigsten Branchen Österreichs – erst gar nicht vor.

Und noch schlimmer: Auch Handwerk und Dienstleistungen werden mit keiner Silbe erwähnt, wenngleich hier durch ein stellvertretendes Lob an die Friseure Abhilfe zu schaffen wäre: Statt „Heiß umfehdet, wild umstritten, liegst dem Erdteil du inmitten“ wird die Strophe auf „heiß geföhnt und flott geschnitten, g’rader Scheitel in der Mitt’n“ adaptiert. Die Friseur-Innung soll sich bereits bereiterklärt haben, eine entsprechende Textänderung mit einem nennenswerten Betrag zu fördern.

Überhaupt wäre es angesichts der Budgetmisere ein ansprechender Gedanke, die Bundeshymne für Sponsoren attraktiv zu machen. Der Text könnte etwa für jeweils ein Jahr den Wünschen der Geldgeber entsprechend verändert werden, die dafür ordentlich in die Staatskasse einzahlen müssen. Eine Strophe wie „Land der Wienerberger-Ziegel und des AMA-Gütesiegel“ würde sich doch nahtlos an „Heimat Andritz’scher Turbinen und der voestalpine-Schienen“ anfügen lassen.

Defaitistische Querköpfe werden nun vielleicht mit der PISA-Studie winkend einwenden, dass es Österreichs aktuellen Töchtern und Söhnen kaum zuzutrauen ist, stets neue Hymnenzeilen zu lernen. Das stimmt zwar, aber da sie ja den aktuellen Text ohnehin nicht kennen, wäre es egal, wenn sie sich den neuen ebenfalls nicht merken.

Nicht egal ist freilich der Kampf unserer AbgeordnetInnen für geschlechtsneutrale Texte. Und da wartet noch viel Arbeit: Neulich erst hörte ich die Europahymne und fühlte mich schwerst diskriminiert: „Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium“. Ja gibt’s denn da keine Söhne? Ist das ein exklusives Frauen-Elysium? Frau Heinisch-Hosek, Ihr Einsatz bitte!

- Stephan Klasmann

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten