Stephan Klasmanns "querformat": Meschugge oder blau? Dr. Freud im Gespräch

„Der typische FP-Politiker denkt nicht im herkömmlichen Sinne“

Nach dem FP-Wahlkampfspiel „Moschee baba“ fragen sich nicht nur Fachärzte, sondern auch immer mehr Normalbürger, ob die blauen Spitzenpolitiker den Verstand verloren haben. Querformat bat die Koryphäe schlechthin zum Interview, Professor Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse.

Herr Professor, was können Sie als Fachmann aus dem FP-Wahlkampf herauslesen? Sind die Blauen meschugge, oder sind sie einfach nur blau?

Freud: Das muss man genau analysieren. Aber das Video ist sehr vielsagend.

Man sieht in dem Spiel Minarette aus dem Boden wachsen, die abgeschossen werden müssen. Wenn das nicht rasch genug gelingt, tauchen Muezzins auf, die zu schreien anfangen und ebenfalls abgeschossen werden müssen.

Freud: Die Minarette sind ja nicht schwierig zu deuten. Das sind Symbole für den erigierten Phallus. Dessen Anblick ist für die Erfinder des Spiels unerträglich. Er muss also abgeschossen, vernichtet werden. Hier kommt ein tiefes Schuldgefühl gegenüber der eigenen Sexualität zum Ausdruck, das für Katholiken ja keineswegs ungewöhnlich ist. Die Libido wird als böse empfunden und muss daher unterdrückt und vernichtet werden. Das ist ein ins Gewalttätige gesteigerter Verdrängungsprozess.

Und der Muezzin?

Freud: Passt ins Bild. Zu Recht würde mein lieber Freund Carl Gustav den bärtigen alten Mann als Archetypus des Weisen deuten. Und was bringt der Weise? Erkenntnis! Wer aber so krass verdrängt, der darf ja nicht erkennen. Für den ist ja der Weise die größte Gefahr überhaupt, weil er sein Lebensgerüst durch Erkenntnis zum Einsturz bringen würde. Also muss der Weise sterben, damit die Lüge leben kann.

Aber was ist dann mit dem Wahlkampf in der Bundeshauptstadt? Hier wird das Wiener Blut beworben.

Freud: Also das ist doch ganz trivial. Das Blut bezieht sich selbstverständlich auf die Menstruation. Hier geht es um die Angst vor der Urmutter und die Furcht vor dem weiblichen Schoß, der Leben spendet und doch auch das Laken mit Blut besudelt. Durch eine Störung in der analen Phase kann nun eine übertriebene Reinlichkeit entstehen. Eine Art Waschzwang, der hier auf eine geistig-symbolische Ebene sublimiert wird. Wenn das bedrohliche Blut schon verschmutzt, dann soll es wenigstens rein sein. Reines Blut, jungfräulich wie die Rose.

Rosenkranz?

Freud: Dummkopf. Die hat zehn Kinder. Selbst für einen gläubigen Christen geht sich das als Jungfrau nicht aus.

Entschuldigen Sie meine Unbedachtheit. Etwas anderes: Könnte es sein, dass bei der Entwicklung freiheitlicher Wahlkampagnen Drogen im Spiel sind?

Freud: Das ist keineswegs auszuschließen. Ich bin mir sogar fast sicher, dass derartige Paroxysmen eines kreativen Atavismus nur unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen zustandekommen können. Denken Sie an so Slogans wie „Daham statt Islam“ – ich meine, das fällt doch einem gesunden Geist nicht ein.

Ist das eigentlich heilbar? Immerhin zeigen neue Forschungen, dass entgegen früheren Annahmen auch im Erwachsenenalter noch Gehirnzellen und Synapsen gebildet werden können?

Freud: Ich kann Ihnen da keine Hoffnung machen. Der typische FP-Politiker denkt nicht im herkömmlichen Sinne, sondern agiert eher auf Basis intuitiver Reiz-Reaktions-Mechanismen, die vom Rückenmark gesteuert werden. Wir nennen das synaptische Anorexie, laienhaft ausgedrückt also hirnloses Denken.

Faszinierend! Dann sind Strache & Co ja tatsächlich ein Wunder der Natur!

Freud: Ich würde es eher als Unfall bezeichnen.

Wir danken für das erhellende Gespräch.

klasmann.stephan@format.at

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