Stephan Klasmanns "querformat": Jeder hat einmal das letzte Wort!

Die Kreativität von Marketingabteilungen ist mitunter ganz erstaunlich. So zieht der Bundesverband Deutscher Bestatter gegen das Gewinnspiel des Aschaffenburger Radiosenders Galaxy wegen Pietätlosigkeit vor Gericht, der unter dem Motto „Gewinne Deine Beerdigung“ dem glücklichen Gewinner die Übernahme seiner Begräbniskosten verspricht. Die Aufgabe besteht darin, seine eigenen letzten Worte zu kreieren. Das, so wörtlich, „coolste Statement“ gewinnt.

Natürlich gab es auch zahlreiche Einsendungen aus Österreich. Und sogar einige Prominente waren darunter, deren letzte Worte querformat exklusiv zugespielt wurden.

So hofft etwa Karl-Heinz Grasser, mit „Ich war zu jung, ich war zu schön, und ich habe das Nulldefizit erreicht. Zumindest auf meinem eigenen Konto“ zu punkten. Er wünscht sich, mehrere Jahre gut gekühlt offen aufgebahrt zu werden, damit seine Fans zärtlich Liebesbriefe verlesend an seinem Leichnam vorbeidefilieren können. Die Kosten für die Klimatisierung sollen über einen steuerbefreiten Spendenverein aufgebracht werden.

Auch Norbert Darabos versuchte sich als Dichter mit „Ich war der Herr vom Militärr und kann nicht merr.“ Unschlüssig, was in seinem Leben die größte Leistung war, hat er zwei Grabinschriften vorbereitet, wobei zur Sicherheit eine auf der Vorder- und die andere auf der Rückseite eingraviert werden soll.

Die erste lautet: „Der die Jugend vor dem Heer gerettet, der hier liegt sanft zur Ruh gebettet“.
Die zweite: „Hier in Stein gemeißelt steht, die Wehrpflicht niemals untergeht!“

Julius Meinl, fürchtend, doch noch von schlechtem Gewissen geplagt zu werden, will mit den Worten „Ich war’s nicht, und ich weiß nichts“ verscheiden. Er fordert eine Bestattung im imperialen, chinesischen Stil, umgeben von den Tonstatuen seiner 6.000 Anwälte. Sie sollen durchsetzen, dass für ihn auch beim Jüngsten Gericht die Unschuldsvermutung gilt.

Werner Faymann wollte zunächst sein Leben im Satz „Ich bin die Krone der Schöpfung“ zusammenfassen, entschied sich aber dann in demütiger Bescheidenheit für „Ich bin die Schöpfung der Krone“. Der Kanzler besteht auch auf einer fachgerechten Einbalsamierung, um bei der nächsten Verfilmung von „Alice im Wunderland“ noch als Grinsekatze auftreten zu können.

Nationalratspräsident Martin Graf hält es kurz und bündig mit „Recht so“ und wünscht sich ein Gletscherbegräbnis in den Ötztaler Alpen, in der Hoffnung, auch nach 5.000 Jahren noch mit erhobenem rechtem Arm auszuapern.

Walter Meischberger nimmt realistischerweise an, noch am Sterbebett mit seiner Lebensfrage beschäftigt zu sein, und rätselt: „Wos woa mei Leistung?“ Als letzte Ruhestätte wünscht er sich das Erdgeschoß eines Luxushotels, schließlich sei er ja, so seine Begründung, stets ein erfolgreicher Lobbyist gewesen.

Eine Einsendung, so heißt es, wurde im letzten Moment doch noch zurückgezogen. Erwin Pröll hat sich rechtzeitig darauf besonnen, dass die Prölls an sich und er im Besonderen ohnehin unsterblich sind. Auf einen genauen Termin, wann er das Jüngste Gericht zusammenrufen werde, wollte er sich noch nicht festlegen. Das müsse er noch mit seinem Stellvertreter Benedikt XVI. besprechen.

- Stephan Klasmann

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