Stephan Klasmanns "querformat": Jahresrückschrittsbericht des VVVV

Der gemeinhin unnütze Verein VVVV bat querformat um Veröffentlichung nachstehender Presseaussendung, die sicher auf breites Interesse stoßen wird:

„Auch heuer hat der Verein zur Verhinderung vernünftiger Vorschläge (VVVV) Grund zu feiern. Der VVVV setzt sich dafür ein, jede Form sinnvoller Weiterentwicklung der Gesellschaft zu blockieren oder nach Möglichkeit sogar umzukehren, und blickt auf eine besonders erfolgreiche Periode zurück.“ Das betonte Präsident Kajetan Kluimschädl in seiner Rede bei der Jahresschlussveranstaltung 2011:

„Liebe Verhinderer und Verhinderinnen. 2011 war ein hartes Jahr, 2011 war ein schwieriges Jahr, aber es war letztlich ein sehr erfolgreiches Jahr. Nach dem AKW-Unfall von Fukushima mussten wir ernsthaft befürchten, dass sich eine globale Allianz für Umwelt- und Klimaschutz zusammenfindet, doch die Ergebnisse des Gipfels in Durban und der Austritt Kanadas aus dem Kioto-Vertrag zeigen, dass die Menschheit – wie wir es erwartet, ja erhofft hatten – doch nichts dazulernt. Die von uns ja stets bestrittene Erderwärmung schreitet rasch voran, und wenn wir noch ein paar Jahre durchhalten und den CO2-Ausstoß weiter steigern, könnten wir bald den Point of no return erreicht haben, nach dem Reformen ohnehin sinnlos sind.

Aus Schaden wird man eben nicht klug, wie auch die gescheiterten Verhandlungen um die Regulierung der Banken und die Einführung einer Finanztransaktionssteuer beweisen. Und nicht nur in Europa, auch in den USA konnte ein wirksames Bekämpfen der Staatsverschuldung durch Parteienhickhack vermieden werden.

Doch wir müssen wachsam bleiben: In der Euro-Krise gab es bereits gefährliche vernünftige Lösungsansätze, meine lieben Bundesgenossen, aber letztlich haben doch Kleingeistigkeit und Partikularinteressen gesiegt. Und so kann ich hier und heute erfreut vermelden: Der Euro ist nicht gerettet, die Chancen auf ein globales Wirtschaftsdesaster sind nach wie vor intakt.

Aber nicht nur international, auch hier in Österreich haben wir viel geleistet. Trotz der Krise, die selbst in der Alpenrepublik starke reformatorische Kräfte auf den Plan gerufen hat, war es möglich, entscheidende Veränderungen hintanzuhalten. Zu Jahresbeginn sah es noch so aus, als ob angesichts der alarmierenden Situation tatsächlich so etwas wie Reformwille in Regierung und Parlament entstünde. Doch Gott sei Dank kann mittlerweile Entwarnung gegeben werden: Es bleibt alles, wie es ist; die Aktivitäten der Politik konzentrieren sich wie gewohnt auf das Erfinden neuer Steuern.

So ist es nicht nur gelungen, eine vernünftige Verwaltungsreform zu verhindern, auch die Budgetkonsolidierung konnte durch Verzögerung und Untätigkeit der politischen Eliten abgewendet, ja durch die hohe Beamtenlohnrunde für die Zukunft sogar noch weiter erschwert werden. Erfreuliche Rückschritte können auch in der Qualität der Politiker verzeichnet werden, wo es durch die erfundenen Facebook-Freunde des Kanzlers gelang, das ohnehin schon rekordtiefe Niveau des Vorjahres nochmals zu unterschreiten.

Fazit, meine lieben Verhinderer und Verhinderinnen, ist, dass 2011 keines der drängenden Probleme – weder national noch international – gelöst werden konnte. Und darauf können wir vom VVVV wirklich stolz sein. Und glaubt mir: Auch 2012 stehen unsere Chancen gut, dass alles so bleibt, wie es ist.“ Querformat schließt sich letzterer Einschätzung an und wünscht dennoch fröhliche Weihnachten.

- Stephan Klasmann

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