Stephan Klasmanns "querformat":
Im Visier der Neidgenossen

"Wie gut Politiker Gagen begrenzen, sieht man bei Asfinag und ÖBB."

Zwei im Menschen tief verwurzelte Instinkte vermählen sich derzeit zu imposanter Primitivität: zum einen der allgegenwärtige Neid auf diejenigen, die mehr haben als man selbst, und zum anderen das Bedürfnis, einen Schuldigen für Missstände und Krisen namhaft machen zu können. Beides amalgamiert sich derzeit zur Diskussion über Managergehälter. Erstens verdienen die Burschen – Mädchen gibt’s ja in der obersten Liga kaum – grundsätzlich viel zu viel. Zweitens sind die Herren im Nadelstreif die Führer der Wirtschaft, und der geht es ja bekanntlich schlecht, weshalb sich der logische Schluss, die Führer wären offensichtlich unfähig und daher sogar in doppelter Hinsicht überbezahlt, nahezu aufdrängt. So weit, so schlecht.
Nun könnte man diese wenig differenzierte Debatte geflissentlich ignorieren, beschränkte sie sich bloß auf die bierversifften Stammtische alpenrepublikanischer Basisgastronomie. Doch mittlerweile beschäftigt das Thema auch den Finanzausschuss des Parlaments, wo allen Ernstes eine gesetzliche Beschränkung von Managergehältern diskutiert wird. Und da hört sich der Spaß auf.

Neid hin oder her: Es ist Sache des Eigentümers eines Unternehmens, zu bestimmen, wie viel ihm sein Management wert ist und nach welchen Kennzahlen sich dessen Gehalt bestimmt. Wenn er meint, einem Wunderwuzzi zig Millionen überweisen zu müssen, so ist das seine Sache. Weder die absolute Höhe der Gage noch nachhaltige Kriterien bei erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteilen sind Gegenstand der Politik, es sei denn, das Unternehmen stünde mehrheitlich im Besitz der öffentlichen Hand. In diesem Fall können die politischen Entscheidungsträger aber bereits jetzt in Haupt- oder Gesellschafterversammlung festlegen, welche Gage angemessen ist. Dafür braucht es keine neuen Gesetze, und wie gut das funktioniert, sehen wir ja bei den leuchtenden Vorbildern effizienter wirtschaftlicher Aktivität wie Asfinag oder ÖBB.

Davon gänzlich zu unterscheiden ist der gesellschaftlich lenkende Anspruch demokratisch legitimierter Politik. Ist die Volksvertretung der Überzeugung, ein zu großes Gefälle bei Einkommen wäre langfristig schädlich für den sozialen Frieden einer Gesellschaft – und dieser Ansicht kann man ja durchaus wohlbegründet sein –, dann hat sie dafür andere Instrumentarien als den Eingriff in Eigentumsrechte zur Verfügung. Beispielsweise die Fiskalgesetzgebung: Einkommenssteuersätze bei Jahresbezügen von über einer Million Euro von 80 Prozent und mehr machen astronomische Gehälter wirtschaftlich unsinnig. Diese Steuersätze müssten dann aber freilich auch für andere Spitzenverdiener wie Sportler oder Unterhaltungsstars gelten und nicht alleine für den Sündenbock Manager. Die Frage ist bloß: Wollen wir das wirklich? Der Markt für Spitzenkräfte ist längst globalisiert. Wer mit prohibitiven Steuern Topgagen, dort wo sie international üblich sind, verhindert, der riskiert, dass die Elite in Management und Forschung ins Ausland abwandert. Rezepte gibt es zu diesem Thema nicht. Die Frage gerechter Entlohnung bleibt eine der schwierigsten und komplexesten, die sich in der Führung von Unternehmen stellen – und das nicht nur bei Topmanagern. Und sie ist viel zu wichtig, als dass man ihre Beantwortung Stammtischen und parlamentarischen Demagogen überlassen darf.

klasmann.stephan@format.at

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