Stephan Klasmanns "querformat": Ich warne Sie!

Seit heraußen ist, dass Nutella tatsächlich Zucker enthält, ist man vor nichts mehr sicher.

Ja, wem kann man heute als gemeiner Bürger noch vertrauen? Allerorten wird man in unglaublichster Weise gefährdet, hinters Licht geführt und arglistig getäuscht. Dioxin in deutschem Fleisch, Analogschinken, Kunstkäse, gefälschte Bio-Eier und dann auch noch diese erschütternde Erkenntnis: Nutella enthält Zucker und Fett. Nein, ein Punkt ist hier der Interpunktion zu wenig, also nochmals: Nutella enthält Zucker und Fett!!!! Wer hätte das gedacht! Der süße Geschmack hätte ja von was weiß ich was allem herrühren können – Hirschtalg, Thymian, Meersalz, Algenkonzentrat. Aber Zucker? Wer kommt denn auf so was Perverses?

Kein Wunder, dass die US-Bürgerin Athena Hohenberg ganz entsetzt war, dass der als gesund beworbene Brotaufstrich fiese Kohlenhydrate enthält, und nun den Hersteller Ferrero wegen irreführender Werbung vor den Kadi zerrt und Hunderte Millionen Dollar Schadenersatz fordert. Immer schon hatte ich den Verdacht, dass nicht alles stimmt, was die Werbung suggeriert. Weder räkeln sich auf meinem Cabrio-Dach an der Kreuzung kesse minderbekleidete Blondinen, noch werde ich – trotz meines neuen Deos – im Aufzug von enthemmten Kolleginnen zum Beischlaf genötigt, und auch die lila Milka-Kuh hat sich auf meinen zahlreichen alpinen Exkursionen so konsequent dem Blick entzogen, dass ich schon fast geneigt bin, an ihrer Existenz zu zweifeln.

Angesichts all dieser Unzukömmlichkeiten gibt es für uns Verbraucher nur einen Ausweg: Wir müssen vor den Folgen unseres Konsums effektiver gewarnt werden. Die Hinweise auf den Zigarettenschachteln sind da ein guter Anfang. Demnächst sollen ja Fotos von krebsigen Lungen und Raucherbeinen die Packungen zieren. Statt glücklicher Biertrinker zeigt die Werbung künftig demolierte Autos von Alko-Fahrern, Badehosen werden mit Bildern von Wasserleichen und dem Hinweis „Baden kann zu Ertrinken und hässlichem Aufschwemmen Ihres Leichnams (insbesondere in Süßwasser) führen“ bedruckt.

Stimmzettel werden mit der Warnung „Wählen kann zur Einsetzung einer inkompetenten Regierung führen“ versehen. Sollten Sie angesichts dieser äußerst realen Gefahr auf Ihr Wahlrecht verzichten wollen, dann werden Sie durch die Warnung „Nichtwählen kann zur Einsetzung einer inkompetenten Regierung führen“ von den möglichen unerwünschten Nebenwirkungen Ihrer demokratischen Abstinenz in Kenntnis gesetzt.

Auch auf Steuerbescheiden sollten wir in Zukunft gewarnt werden: „Das Bezahlen Ihrer Abgabenschuld kann zur Verwirklichung unsinniger und potenziell gefährlicher Projekte führen“. Passend wäre dazu ein Foto vom Sondierstollen des Koralmtunnels. Natürlich darf auch die Mahnung „Das Nichtbegleichen Ihrer Abgabenschuld kann zu mehrjähriger Haft führen, es sei denn, im Badezimmerspiegel blicken Ihnen folgende Visagen entgegen: (es folgen Fotos von Meischberger, Grasser und einigen anderen bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens)“ nicht fehlen.

Zu guter Letzt sollte man – angesichts von Hypo Alpe Adria, Buwog, Meinl, AvW, Amis, Skylink usw. – verfügen, dass künftig Wirtschafts- und Nachrichtenmagazine mit dem Hinweis versehen werden, dass ihr Konsum zu Gemütsstörungen und Depressionen führen kann. Nicht etwa, weil ihr Inhalt nicht der Wahrheit entspräche, sondern eben weil er der Wahrheit entspricht.

- Stephan Klasmann

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