Stephan Klasmanns "querformat": Herr Darabos, treten Sie endlich zurück!

Minister Darabos ist seit dieser Woche das, was er eigentlich auch schon vorher war – entbehrlich.

Man weiß natürlich nie, welche Irrsinnigkeiten aus der aktuellen politischen Szene uns noch erwarten, deswegen sollten gelernte Österreicher mit Superlativen stets vorsichtig umgehen. Aber eines steht zumindest fest: Bei einer Wahl des unfähigsten, rückgratlosesten und peinlichsten Politikers Österreichs hat Norbert Darabos beste Chancen auf den Hattrick. Und das ist angesichts der Qualität möglicher Mitbewerber bei einem solchen Contest eine wirklich reife Leistung.

Da entlässt diese Inkarnation des Burgenländerwitzes zunächst den allseits geachteten und ihm fachlich haushoch überlegenen Generalstabschef Edmund Entacher. Als Grund für diesen Schritt führte der Selbstverteidigungsminister den schweren „Vertrauensverlust“ an, der ihm die sofortige Trennung von seinem Parteifreund gebot. Das Vertrauen ging verloren – man erinnere sich –, weil General Entacher für die Beibehaltung der Wehrpflicht eintrat, die nur wenige Monate davor auch von Herrn Darabos als „in Stein gemeißelt“ bezeichnet wurde. Aber der Herr Minister hängt sein Fähnchen offenbar gerne in die eigenen Winde, die, je nachdem wie er gerade steht, aus unterschiedlicher Richtung blasen.

Dem Offizier ist leider entgangen, dass sein Ressortchef, beflügelt von einer Kampagne der „Kronen Zeitung“, am Stand eine 180-Grad-Wende vollführte, die man im militärischen Kontext sonst nur von Panzern kennt. Die Winde wehten andersrum. Freiwilligenheer statt Wehrpflicht. Entachter mochte sich nicht mitdrehen und wurde abgedreht. Meinungsstalinismus in seiner reinsten Form.

Doch auch eine monatelange Suche nach möglichen Verfehlungen, die man dem General anhängen könnte, blieb ergebnislos. Dummerweise erwies sich der Antiwehrpflicht-Verweigerer auch noch als pflichtbewusster Beamter. Die Versetzung wurde durch alle Instanzen hindurch als schlicht ungesetzlich gebrandmarkt. Die Blamage für den Verteidigungsminister ist total: Edmund Entacher ist seit dieser Woche durch Gerichtsbeschluss wieder das, was er auch vorher war, nämlich Generalstabschef. Der Minister ist seit dieser Woche auch das, was er schon vorher war, nämlich absolut entbehrlich.

Und jetzt muss man sich doch fragen: Wie, Herr Darabos, wollen Sie nun, nach dem angeblich so schweren Vertrauensverlust und Ihrer gescheiterten Säuberungsaktion, mit dem Armeechef wieder vertrauensvoll zusammenarbeiten? Wie wollen Sie nach diesem Desaster noch ernsthaft eine Heeresreform durchziehen? Immerhin steht ja, wenn Sie Ihre Aufgabe ernst nehmen, die Wehrfähigkeit Österreichs, die nationale Sicherheit auf dem Spiel.

Zugegebenermaßen: Es ist unwahrscheinlich, dass morgen die slowenische Armee in Kärnten einfällt, um flächendeckend zweisprachige Ortstafeln aufzustellen, und auch ein Angriff marodierender albanischer Söldner dürfte nicht unmittelbar bevorstehen. Die aktuelle Totallähmung im heimischen Bundesheer lässt mich also noch ruhig schlafen. Aber dass jemand, der sich eine derartige sachliche und moralische Fehlleistung erlaubt, immer noch Minister bleiben kann, das ist wirklich beunruhigend. Wenn nämlich jemand zu Recht einen Vertrauensverlust beklagen darf, dann ist es der österreichische Bürger, angesichts derartiger Regierungskasperln. Aber genug davon. Herr Darabos, treten Sie endlich zurück!

- Stephan Klasmann

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