Stephan Klasmanns "querformat":
Her mit dem Nobelpreis!!!

Und wieder sind wir leer ausgegangen. Nur weil wir ein kleines Land sind und unsere herausragenden Leistungen einfach übersehen werden. Dabei hätten wir uns heuer einen der Nobelpreise auf jeden Fall verdient: jenen für Wirtschaft.

Er hätte 2009 ohne Wenn und Aber an die österreichische Bundesregierung gehen müssen. Immerhin war die Privatisierung der AUA eine einzigartige praktische Umsetzung spieltheoretischer Modelle, die ja in der Wirtschaftswissenschaft immer größere Bedeutung bekommen. Speziell im Forschungsbereich der Preisfindung durch Auktionsmodelle hat sie im Real-Planspiel „Wir verkaufen eine Fluglinie“ Bahnbrechendes geleistet. Durch die axiomatische Beschränkung auf einen einzigen infrage kommenden Partner – die Lufthansa – gelang es, die bislang nur theoretisch vermutete Existenz der Ein- Bieter-Versteigerung in der Realität zu belegen. Damit nicht genug, konnte in diesem Experiment – quasi analog zur Antimaterie – der Antipreis nachgewiesen werden. Der Verkauf einer Sache durch Bezahlung von 500 Millionen Euro an den Käufer ist eine in dieser Form einzigartige und wahrhaft auszeichnungswürdige Leistung.

Den Preis müsste sich die aktuelle Regierung freilich mit dem ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser teilen, der mit dem Verkauf der Buwog-Wohnungen bewies, dass die klassische Ökonomie mit ihrem nach Nutzen- und also Preismaximierung strebenden Homo oeconomicus nichts ist als ein Hirngespinst. In beeindruckender Widerlegung gängiger kapitalistischer Prinzipien ist es KHG gelungen, ein immaterielles Gut – nämlich die Einweisungsrechte für 5.000 Buwog-Wohnungen – gänzlich ohne finanzielle Gegenleistung an eine andere Rechtspersönlichkeit, die Immofinanz, zu übertragen. Diese Leistung wurde auch vom Rechnungshof entsprechend gewürdigt, der die Höhe des solchermaßen nicht erlösten Betrages auf 200 Millionen Euro schätzt.

Diese Praxis, kostbare Vermögenswerte mit null zu bewerten, steht den Bilanzierungspraktiken der Banken diametral gegenüber, bei denen im Gegenteil Positionen ohne Wert einen solchen zugeschrieben bekamen. Grasser bildet somit in einzigartiger Weise die Antithese zur Finanzkrise.

Mit dieser christlich-altruistischen Haltung setzt der Expolitiker den bislang auf Profit ausgerichteten Wirtschaftsmodellen virtuos das Freundschafts-Schenkungs-Modell entgegen – in der Literatur verkürzt auch als Freunderlwirtschaft bezeichnet.

Aber wir hätten auch noch andere Kandidaten: etwa ÖBBChef Peter Klugar, für den Physiknobelpreis, weil es ihm als Erstem gelang, die Schiene auf die Straße zu verlagern. Walter Meischberger wiederum wäre des Medizinnobelpreises würdig, für die Entdeckung des juvenilen, galoppierenden, paroxysmalen Alzheimers, heute als Morbus Meischbergeri bekannt. In einem Selbstversuch wies er nach, dass diese Krankheit sogar die Existenz von Steuern vergessen lässt. Die Bedeutung dieses Leidens wird Experten zufolge in den kommenden Jahren noch zunehmen, da das Virus offensichtlich ansteckend ist. Denn nur durch schwere, retrograde Amnesie ist zu erklären, wieso Grasser ein supersauberes, reines Gewissen hat (Steuerspar- Verein? Meinl? Alles vergessen!).

Aber trösten wir uns. Irgendwann wird die Austro-Wissenschaft den ihrer Bedeutung zukommenden Stellenwert erhalten, und dann werden auch unsere großen Geister endlich bekommen, was sie verdienen. Wenn schon nicht in Stockholm, dann vielleicht vor Gericht.

klasmann.stephan@format.at

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