Stephan Klasmanns "querformat":
Geld macht nicht glücklich, aber gesund

Wenn Politiker nicht mehr weiterwissen und nach Forderungen suchen, bei denen sie sich allgemeiner Zustimmung sicher sein wollen, dann gibt es zwei zuverlässige Tipps: Sie sind für Steuersenkungen und gegen die Zweiklassenmedizin. Letztere ist ein besonders hässlicher Begriff, impliziert er doch, dass sich die bösen Reichen nicht nur Champagner, sondern auch bessere Gesundheit kaufen können, während der ohnehin schon Arme auch noch im medizinischen Sinne arm dran ist.

Doch nun haben Forscher die Existenz der Zweiklassenmedizin wissenschaftlich bewiesen. Freilich in einem anderen Sinne, als sie gemeinhin verstanden wird: Man braucht sich mit viel Geld erst gar keine bessere Versorgung zu erkaufen – allein der Besitz an sich macht gesünder, zufriedener, ja sogar schmerzunempfindlicher. Auch soziale Ausgrenzung lässt sich mit dem Bewusstsein, über ein großes Vermögen zu verfügen, leichter ertragen. Und das ist nicht etwa die Fieberfantasie eines schweinevergrippten FORMAT-Kolumnisten, sondern das Ergebnis von sechs Testreihen mit Probanden zur „Symbolischen Kraft des Geldes“, veröffentlicht in der hochrenommierten Fachzeitschrift „Psychological Science“. Das Berühren von Geldbündeln und Münzen erzeugt ein tiefes Wohlgefühl, das gesellschaftliche Ablehnung, ja selbst physische Schmerzen ignorieren hilft. Nicht Pfarrer Kneipp mit seinen lächerlichen Wechselbädern, nein, Dagobert Duck mit seinem täglichen Bad im Geldspeicher ist somit das neue Vorbild in Sachen Volksgesundheit.

Das ändert natürlich alles. Diese Erkenntnis lässt uns die Welt in neuem, saubererem Kleid erblicken. Unter diesem Aspekt erscheinen nicht nur die horrenden Gagen einiger Manager, sondern auch die Machenschaften von Bernard Madoff in einem ganz anderen Licht. Der alte Herr wollte einfach etwas für seine Gesundheit tun. Und im Nachhinein zeigt sich ja auch, wie Recht er damit hatte: Bei 150 Jahren Haft braucht man schon eine wirkliche Rossnatur und ein starkes Immunsystem, um nach dem Jahr 2159 noch die Freiheit genießen zu können. Und zeigt nicht auch die Vergesslichkeit von Walter Meischberger, wie nötig er die Beratungsmillionen ganz ohne Steuerlast eigentlich gehabt hätte? Jetzt, wo man ihm den Großteil des Geldes wieder abnimmt, wird er sicherlich schwer krank werden. Auch bei Julius Meinl und Karl-Heinz Grasser ist angesichts dieser neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse offenkundig, warum der Wunsch, viel Geld zu besitzen, so essenziell ist: Schließlich lässt ein hoher Kontostand soziale Ausgrenzung leichter ertragen. Wer ständig in Zeitungen und im Fernsehen angegriffen wird, der hat eben ein höheres Geldbedürfnis, und es ist klar, dass solche Menschen schon allein aus medizinisch-präventiven Gründen reich werden müssen.

Die neue Studie hat aber auch enorme Implikationen für die österreichische Gesundheitsreform: Anstatt sich krampfhaft zu bemühen, bei den Pflege- Ausgaben zu sparen, Generika zu forcieren oder effizientere Spitäler zu errichten, gäbe es ein viel simpleres Mittel, um die Volksgesundheit zu stärken: Die Ärzte sollten statt Geld zu kassieren einfach Geld verteilen. Quasi als Medikament auf Rezept. Ich jedenfalls würde mich nach so einem Arztbesuch gleich viel besser fühlen. Und Sie wohl auch, oder?

klasmann.stephan@format.at

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