Stephan Klasmanns "querformat":
Faymanns geheimer Post-Plan

POST MORTEM. Nur die Einführung der Brieftaube kann die Jobs sichern.

Die Diffamierung von Berufsgruppen hat in Österreich eine lange Tradition. Das segensreiche Wirken insbesondere staatsnaher Konzerne ist am Stammtisch oft nur Ziel primitiven Spotts. „Wer nichts weiß und wer nichts kann, geht zur Post oder zur Bahn“, lautet einer dieser ehrverletzenden Sprüche, die den wackeren Beamten die Zornesröte auf die edle, vom eleganten Schirmkäppchen beschattete Stirn treiben. Aber auch jene, die sich heldenhaft für Wertschätzung und Erhalt der Briefträger einsetzen, werden jetzt gnadenlos attackiert. Etwa unser Infrastruktur- und damit Verkehrsminister Werner Faymann.

Er hat endlich erkannt, dass Postbedienstete als mehrheitlich rote Wähler auch Anspruch auf einen Platz auf der Roten Liste haben. Sie zählen zu den geschützten Arten und folglich ihre Betriebe, die Postämter, zu den geschützten Werkstätten. Umso infamer daher die Pläne des Postgenerals Anton Wais, der beide drastisch dezimieren will. Wohl wahr: Der Manager hat das Unternehmen profitabel geführt und versucht es auf schärferen Wettbewerb vorzubereiten – aber was sind schon ein paar Millionen Gewinn gegen das Arbeitslos potenzieller SP-Wähler? Daher hat der Minister nun ein halbes Jahr Denkpause verfügt, um bessere Alternativen zur Schließung von Postämtern zu ­finden. Was der kluge SP-Chef allerdings nicht gesagt hat: In seinem Schreibtisch liegt längst der fertige Plan B.

FORMAT gelang es nun, in den geheimen Plan  zur Reformierung der Post exklusiv Einblick zu nehmen. Und die Kühnheit des Gedankens ist wahrhaft ­sensationell. Faymann plant nicht mehr und nicht weniger als die flächendeckende Wiedereinführung der Brieftaube. Selbst hartgesottenen Wirtschaftsjournalisten bleibt bei diesen geradezu animalischen Perspektiven die Luft weg. Und das Beste: Das Konzept hat überzeugende Vorteile.

Erstens: Bewährtes System mit besten Referenzen. Schon der Sumererkönig Sargon ließ seine Boten in Mesopotamien mit den klugen Vögeln ausstatten, die alten Ägypter verständigten sich via Bird-Mail, und selbst Julius Cäsar sandte die aktuellsten Infos über gallische Aufstände per Taube an seine Militärführer.

Zweitens: Ökonomisch wertvoll. Die Pflege von Hundert­tausenden Vögeln braucht viel Personal. Postämter können als Zuchtstationen und Luftstützpunkte ausgebaut werden. Das kos­tet Millionen Euro und kurbelt die Wirtschaft an (Konjunkturprogramm!). Die Beschaffung von täglich einigen hundert Tonnen Körndlfutter stabilisiert die Getreidepreise (Landwirtschaftspolitik!). Die Folge: Die Post braucht in den kommenden Jahren ein paar tausend Mitarbeiter mehr (Arbeitsmarktpolitik!).

Drittens: Ökologie. Nicht einmal grüne Fundis können gegen den Tausch Taube gegen Postler-Moped polemisieren. Der CO2-Ausstoß geht gegen null, der unvermeidliche übrige Ausstoß kann – siehe Chile – als wertvoller Dünger dem Ökosystem ­wieder zugeführt werden.

Nur noch einige winzige rechtliche Details  müssen geklärt werden: Wie etwa stellt die Taube bei der Zustellung von Rückscheinbriefen die Identität des Adressaten fest? Ist der Bürger Amtstauben gegenüber ausweispflichtig? Müssen blaue Briefe hinkünftig von eigens eingefärbten Vögeln überbracht werden? Aber das ist für einen Mann vom Format eines ­Faymann alles leicht lösbar.

Umso bedauerlicher, dass auch seine Qualifikation – wie jene der von ihm geschützten Postbediens­teten – gehässig ins Lächerliche gezogen wird:
„Populistisch und sinister? Werden Sie Verkehrsminister!“ Das hat sich Werner Faymann wirklich nicht verdient. Gut, dass er bald unser Kanzler wird.

klasmann.stephan@format.at

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