Stephan Klasmanns "querformat": Es segne uns der allmächtige GÖD

Also das war schon ein Schock! Die Beamten gingen mit einer wirklich überschaubaren Forderung nach 4,65 Prozent mehr Gehalt in die Kollektivvertragsverhandlungen, und die Ministerin sagt einfach nein. Dabei hat doch GÖD-Chef Fritz Neugebauer alles so plausibel erklärt, denn schließlich kann es ja kein Zufall sein, dass GÖD und God so ähnlich klingen.

Mehr Geld für Beamte bedeutet zweifellos mehr Kaufkraft für die Staatsdiener und folglich mehr Konsum, was – wie es GÖD-God Neugebauer formulierte – viel wichtiger sei, als die Krise zu bekämpfen. Zwar könnte man einwenden, dass eine sparsame Verwaltung weniger Steuern und damit mehr Kaufkraft für die Bürger bedeuten würde, aber dem Bürger ist ja nicht zu trauen. Der spart das Geld womöglich, anstatt es auszugeben, wohingegen der Staat und seine Institutionen nachweislich jahrzehntelange Erfahrung darin haben, mehr auszugeben, als sie einnehmen.

Doch die Republik ist derzeit leider ziemlich pleite. Was also tun, um die Beamtenkaufkraft zu erhalten? querformat schlägt eine ebenso einfache wie geniale Lösung vor: Was den maroden EU-Staaten der Eurobond, soll den öffentlich Bediensteten der Beamtenbond – kurz BeBo – sein, über den unsere Staatsdiener künftig finanziert werden. Das Konzept ist äußerst effektiv.

Die Verzinsung des Beamtenbonds ist selbstverständlich null. Das ergibt sich logisch daraus, dass allein schon die Erhaltung der Kaufkraft der Beamten für uns alle eine so große Belohnung ist, dass es einer Entlohnung ja wohl nicht mehr bedarf. Wir dürfen den Beamten unser Geld andienen, auf dass sie uns dienen können – die Endstufe einer ärmelschonenden Symbiose ist damit erreicht. Es ist eben das alldurchdringende Prinzip des Gebens und Nehmens. Wir geben demütig, die Beamten aber nehmen großmütig. So einfach, ja geradezu natürlich kann das Miteinander von Verwalter und Verwaltetem sein!

Die Laufzeit der BeBos ist unbegrenzt. Das liegt daran, dass die Existenz der menschlichen Spezies ohne Beamte nicht einmal theoretisch denkbar, jedenfalls aber nicht wünschenswert wäre. Der Staatsdiener dient immerdar. Und auch wenn der einzelne Beamte möglicherweise tatsächlich einmal versterben sollte, der Beamte an sich (im Kant’schen Sinne) währt ewiglich, und seine Arbeit ist ja selbst im Himmel noch gefragt und geachtet – man denke nur an Petrus, der als Portier seit 2.000 Jahren Dienst tut.

Die unendliche Laufzeit des BeBo wird aber auch physiologisch in hervorragender Weise von Fritz Neugebauer selbst verkörpert. Der 67-Jährige beginnt eben eine weitere fünfjährige Funktionsperiode als Gewerkschaftschef und straft damit die Position seiner Genossen, die sich stets vehement gegen eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters gewehrt haben, Lügen.

Die Bonität der BeBos ist per definitionem AAA. Das ergibt sich aus der unendlichen Laufzeit und der Nullverzinsung. Da weder Zinszahlungen noch Tilgung vorgesehen sind, fällt das Ausfallsrisiko weg. Darüber hinaus schützt die Anleger ja auch die besondere Glaub- und Vertrauenswürdigkeit der Beamten, die teilweise sogar einen Eid auf Republik, Gesetz und Pension ablegen.

Die Frage ist jetzt bloß noch, wer die BeBos zeichnen soll. Doch auch das ist leicht zu lösen. Man beschließt einen freiwilligen Investitionszwang für alle Nichtbeamten, analog zur freiwilligen Bankenbeteiligung an der Griechenlandpleite. Sehen Sie, bezaubernde Leserin, verehrungswürdiger Leser, so einfach ist das. Es segne uns der allmächtige GÖD.

- Stephan Klasmann

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