Stephan Klasmanns "querformat": Ein hehrer Plan fürs Heer

Genies haben es in Österreich einfach schwer. Das muss unser Politstar Norbert Darabos dieser Tage wieder einmal leidvoll erfahren. Der dumme Pöbel vermag eben nicht, sich in die lichten Höhen des Geistes zu bewegen, von denen aus die großen Strukturen des Kosmos sowie der österreichischen Heeresreform erst wirklich deutlich werden.

Nur der unbedarfte Tölpel sieht in seinem Bekenntnis zur in Stein gemeißelten Wehrpflicht (Juli 2010) und dem Bekenntnis zur Abschaffung der Wehrpflicht (Dezember 2010) einen Widerspruch. Nur kleingeistige Narren wundern sich darüber, dass das nun in Rede stehende Freiwilligenheer zu Weihnachten 2,6 Milliarden Euro kostete, im Jänner auf 2,2 Milliarden kalkuliert wurde und diese Woche nur noch mit 1,9 Milliarden veranschlagt wird. Anstatt dass dieser Beweis eisernen Sparwillens entsprechend gewürdigt würde, zweifeln missgünstige Geister doch glatt an Seriosität und/oder Kompetenz des Heer-Führers.

Doch weit gefehlt! Hinter den vermeintlichen Unklarheiten und mäandernden Positionen steht ein kühner Plan, der großes Heer und kleinen Preis gedeihlich vereinen soll. Norbert Darabos’ feines Gespür für gute Geschäfte kennen wir ja bereits vom Abfangjägerdeal, als es dem knallharten Verhandler gelang, Zahl und Ausstattung der Flugzeuge deutlich zu reduzieren und dennoch den Preis unverändert zu belassen. Warum soll ihm beim Heer nicht noch einmal so ein Geniestreich gelingen?

Und die Lösung ist – wie immer bei großen Ideen – ganz einfach. Nach Tagen der Kontemplation erkannte unser Held, dass die Verteidigung Österreichs nicht nur kostengünstig, sondern sogar kostenfrei erfolgen kann. Und zwar durch die Darabos’sche Doppelzangenstrategie, die selbst Carl von Clausewitz verblüfft hätte. Erster Teil des Plans: Es lohnt sich nur, etwas zu verteidigen, das in irgendeiner Form Wert besitzt. Durch eine Totalabwirtschaftung Österreichs löst sich folglich das Verteidigungsproblem von selbst. Und auch die größten Kritiker Darabos’ müssen zugeben, dass unsere Regierung in dieser Hinsicht enorme Fortschritte gemacht hat.

Zum Zweiten, so kontemplierte der Minister, ist ja keineswegs gesagt, dass ein Freiwilligenheer überhaupt etwas kosten muss. Steckt denn nicht im Begriff „freiwillig“ auch ein wenig die Konnotation gratis? Verlangt es denn einen freiwilligen Helfer nach schnödem Mammon? Löscht denn die freiwillige Feuerwehr nur gegen Einwurf kleiner Münzen? Eben. Was unserem visionären Burgenländer vorschwebt, ist das Heer, das Österreich freiwillig verteidigt. Freiwillig, billig und zum Wohle unseres Staatshaushalts – quasi eine Kristallisation vollkommener Budgetdisziplin.

Aber wer, fragen Sie sich jetzt zu Recht, sollte so bescheuert sein, das zu tun? Nun, auch dafür hat Darabos in seinem Geheimplan eine Lösung: Wir selbst natürlich! Wir verteidigen uns einfach freiwillig selbst! Der Staat stellt uns nur noch die Hardware wie Waffen, Kasernen, Kommunikationseinrichtungen und Ähnliches zur Verfügung, er sorgt für eine entsprechende Ausbildung, und dann nehmen wir die Sache selbst in die Hand. Und damit sich niemand davor drückt, müssen alle mittun. Fehlt eigentlich nur noch ein klingender Name für das Konzept: Nennen wir es doch …, hmmm …, Moment mal. Nennen wir es doch einfach – Wehrpflicht!

- Stephan Klasmann

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten