Stephan Klasmanns "querformat":
Die gute, alte Zeit des Martin Graf

Früher war alles besser. Er hat schon Recht, der Martin Graf. Früher, da war Südtirol noch bei Österreich. Dort, wo es hingehört. Schlesien war auch noch bei uns. Das reiche Schlesien! Gut, die Schlesier selber waren nicht reich, aber die haben in den Bergwerken ordentlich was zum kaiserlichen Haushalt beigetragen. Auch ein edler Hafen wie Triest würde unserem Heimatland immer noch gut anstehen. Dann bekäme wenigstens unser Marinemuseum in Wien seine Würde zurück. In einem Binnenland wirkt das doch etwas sonderbar. Und wer weiß, vielleicht wollen die Triestiner ja ohnehin wieder zurück in den Schoß Restösterreichs, so als eine Art Austro- Enklave. Man müsste sie halt fragen und im Sinne der Selbstbestimmung der Völker ein Referendum abhalten.

Kultivierte Sprache
Auch die Sprache war früher viel kultivierter. Ich denke jetzt gar nicht so sehr an das Schönbrunner Deutsch, sondern an diese vielen hässlichen Fremdwörter. Gab es nicht eine Zeit, in der die Pflege der schönen, deutschen Sprache in den Mittelpunkt politischer Bemühungen rückte? Als das Trottoir endlich zum Gehsteig wurde, die Nase zum Gesichtserker und der Ethnologe zum Völkerkundler (man hätte ihn freilich auch Völkischen Beobachter nennen können)? Ja, wenn man sich zurückbesinnt, auf die gute, alte Zeit – die Tränen könnten einem kommen.

Selbst das Gesundheitswesen war früher viel besser: Die Krankenkassen hatten keine Defizite, weil es keine gab. Auch Alzheimer und Schweinegrippe waren unbekannt. Damals ist man noch an ordentlichen Krankheiten gestorben: an Wundbrand nach einer Kriegsverletzung zum Beispiel, oder im Kindbett in Erfüllung der deutschen Gebärpflicht, vielleicht auch erfroren bei Stalingrad. Süßer Heldentod, immerhin.

Aber das kann die Jugend von heute ja nicht verstehen. Die mit ihrer Tschingbum-Musik. Und diese links-linken Abgeordneten mit ihrem romantischnaiven Asyl- und Integrations-Multikulti-Getue. Alles faules Pack, das doch nur auf die Grundsicherung wartet. Ja, früher war halt alles besser. Der Mensch hat noch gewusst, wo seine Wurzeln sind. Jetzt wollen angeblich nicht einmal mehr die Südtiroler heim ins Österreich. Das sagt zumindest der Durnwalder, so eine Art norditalienischer Reichsverweser.

Zugegeben: In einigen Bereichen ist schon etwas weitergegangen. So ein schicker Dienstwagen für einen Nationalratspräsidenten, und sei es auch nur der Dritte, macht sich schon besser als diese elenden Pferdekutschen, die Tage bis Bad Ischl gebraucht haben, oder der Steyr-12er, der sich mühsam auf den Obersalzberg geschleppt hat.

Arbeitsplatzsicherheit
Auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes muss man zu schätzen wissen. Früher hätte ein Parlamentspräsident glatt vom Monarchen abgesetzt werden können. Damit ist jetzt Schluss. Heute werden ihn nicht einmal die Abgeordneten, die ihn gewählt haben, wieder los.

Doch diese wenigen Bereiche, in denen die Menschheit tatsächlich gewisse Fortschritte vorweisen kann, sind nichts als die Regel bestätigende Ausnahmen. Und in manchem ist die Überlegenheit der Vergangenheit gegenüber der Gegenwart sogar so augenfällig, dass selbst hartgesottene Fortschrittsgläubige nicht anders können, als zuzustimmen: Früher hatten wir den Kaiser, jetzt haben wir den Graf. Noch Fragen?

klasmann.stephan@format.at

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