Stephan Klasmanns "querformat": Die ganz geheimen Stellen aus Meischis Tagebuch

Ja, man muss auch Glück haben im Leben. Kürzlich lenkte ich meine Schritte durch die Wiener Innenstadt, vorbei an der „Falter“-Redaktion, und beneidete die Kollegen im Stillen um den tollen Scoop mit Walter Meischbergers Tagebuch. Was würde ich nicht darum geben, diese wertvollen Zeilen lesen zu dürfen. Und da war mir Fortuna hold: War es ein Windstoß? Ein heiße Luft hinwegblasender Ventilator? Weiße, eng beschriebene Blätter schaukelten niederwärts, und siehe, es waren die vielen losen Blätter, die Meischis Notizbuch beigelegt waren.

Ehrfürchtig las ich die Eintragungen des Haider-Vertrauten und Grasser-Freundes und muss zugeben: Jetzt sehe ich die oft merkwürdigen politischen Vorgänge der vergangenen Jahre in einem ganz anderen Licht. Diesen Erkenntnisgewinn der Öffentlichkeit vorzuenthalten wäre nachgerade Sünde. Nachfolgend also die bedeutendsten Stellen:

16. April 2004: Hab mit dem Jörgl heute ein urlustiges Spiel erfunden. 5 aus 45. Weil nämlich die Leute immer dieses Lotto spielen mit dem Sex aus 45 (45! Uff, das hab ich noch nie geschafft). Und da haben wir gesagt, wir machen ein Spiel, wo man nicht gewinnt, sondern verliert. Wir fangen mit 45 Millionen Euro an und haben nachher nur noch fünf über. Die Frage ist nur, wo wir die 45 Millionen hernehmen.

30. April 2004: Der Jörg hat gesagt, dass er für unser Spiel den Gaddafi und den Saddam gefragt hat. Also wegen des Anfangskapitals für 5 aus 45. Der Gaddafi will sich’s überlegen. Super!

5. Mai 2004: Gebe mich jetzt als Immobilienexperte aus, weil der Karl-Heinz hat einen Deal für mich. Ich muss die Buwog-Häuser verscherbeln. Weiß zwar nicht, wie man das macht, aber der Karl-Heinz sagt, dass das eh wurscht ist, weil ja schon feststeht, dass sie die Immofinanz bekommt.

7. Mai 2004: Hab jetzt mindestens fünfmal telefoniert wegen den depperten Wohnungen. Wahnsinnig viel Arbeit, und ich krieg ja nur acht Millionen Euro dafür. Na, da hab ich mir wieder etwas aufschwatzen lassen! Echt hart, so ein Leben als Lobbyist! Immerhin Lichtblick: Der Gaddafi macht bei 5 aus 45 mit.

30. September 2004: Hab dem Jörgl vorgeschlagen, 5 aus 45 auch mit den Kärntner Finanzen zu spielen. Plan: Wir geben total viel Landesgarantien, die wir eh nie zahlen können, und schauen dann, was passiert. Der Kulterer war auch da und hat das voll cool gefunden. Die Hypo Alpe Adria hilft uns jetzt dabei. Jörgl hat gelacht und sich gefreut. Ziel: Landesverschuldung und Garantien sollen das Zehnfache vom Kärntner BIP erreichen. Karl-Heinz meint: Echt ambitioniert, aber machbar.

29. Mai 2005: Der Karl-Heinz sagt, ich muss die acht Millionen Provision versteuern, die ich für den Buwog-Deal gekriegt hab. Voll arg, wenn das stimmt. Dann bleibt mir für das viele Telefonieren ja fast gar nichts mehr übrig. Aber ich glaub ihm das eh nicht. Er zahlt ja auch keine Steuern für seinen Verein.

24. Jänner 2010: Wenn meine Informationen stimmen, dann hat 5 aus 45 super funktioniert. Angeblich sind jetzt wirklich nur mehr fünf Millionen in Liechtenstein übrig. Da wird der Gaddafi aber schön schauen.

Letzter Eintrag am 3. Februar 2010

Hab was ganz Komisches gehört. Der Grasser soll den Literaturnobelpreis bekommen haben für einen tollen Bestseller. Heißt „Die Plechtrommel“. Nie gehört, muss ich mir aber unbedingt kaufen. Handelt von so einem Buberl, das nie erwachsen wird.

klasmann.stephan@format.at

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