Stephan Klasmanns "querformat": Das neue ÖVP-Dreamteam

Endlich ist das Vertrauen in die Politik wiederhergestellt. Die neue VP-Regierungsmannschaft überzeugt auf ganzer Linie.

Kommt, lasst uns frohlocken, lasst uns jubeln und tanzen. Wieder ein genialer Schachzug von Michael Spindelegger! Wie diese charismatische Leitfigur mit einem mutigen Befreiungsschlag das durch den plötzlichen Entfall Pröll’scher Masse entstandene Vakuum aufzufüllen verstand, verschlägt einem die Sprache und auch sonst noch einiges. Endlich ist das Vertrauen in die Politik wiederhergestellt. Die neue VP-Regierungsmannschaft überzeugt auf ganzer Linie. Die sympathische Innenministerin Maria Fekter wird jetzt Finanzministerin. Zwar weiß man nicht genau, was sie dafür qualifiziert, aber das macht ja keinen Unterschied zu ihrem vorherigen Amt. Spindelegger setzt eben ganz auf Kontinuität. Das zeigt sich auch bei Beatrix Karl, die vom Wissenschafts- ins Justizressort wechselt – ist ja eh fast dasselbe.

Natürlich gibt es auch neue Gesichter im Dreamteam. Sogar ein älterer Altphilologe ist dabei, der dafür garantiert, dass zumindest einer auf der Regierungsbank fließend eine Fremdsprache spricht. Aber der wirkliche Hoffnungsträger der neuen ÖVP ist ohne Zweifel Sebastian Kurz. Der neue Staatssekretär für Integration verfügt über langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet. So soll ihm das Integrieren von Milch, Milchschaum und Kaffee zu einer Melange geradezu virtuos gelingen. Auch die Vereinigung von Wein und Mineralwasser zum vollintegrierten G’spritzten ist dem sozialpolitischen High-Potential durchaus zuzutrauen, und die Arbeit an der Basis ist dem neuen Regierungsmitglied sowieso vertraut, seit er, im Geilomobil durch den Wiener Wahlkampf tingelnd, kondomspendende Geilomaten verteilte.

Vor allem am Verhandlungstisch in Brüssel wird der 24-Jährige sicherlich gute Figur machen. Sollte ihn wider Erwarten jemand doch nicht ganz ernst nehmen, dann kann er ja durch Verschenken dunkler Kondome mit der Aufschrift „Schwarz ist geil“ Sympathiepunkte sammeln, ehe er spesensparend mit dem Geilomobil die medienwirksame Rückfahrt nach Wien antritt.

Nur eine Kleinigkeit kratzt an meinem Vertrauen in das neue Regierungsteam der ÖVP. Nämlich der Fall Verena Remler. Genauer gesagt der Fall der Verena Remler. Die junge Tirolerin, deren politisches Talent ich stets bewundert habe, wurde nach einem harten Ausleseverfahren von Josef Pröll als seine erste Wahl bezeichnet. Gut, bei der ersten Wahl kann man sich ja auch irren und es bei der nächsten Wahl besser machen. Aber so war das wahrscheinlich nicht gemeint, denn die ambitionierte Dame wurde von ihrem Erfinder derartig mit Vorschusslorbeeren überhäuft, dass sie unter dem Blätterhaufen kaum mehr wahrnehmbar war. Sie sei eine starke Stimme für die Familien, vereine ganz bravourös Kindererziehung und Job, habe Erfahrung im Tourismus und sei eben eine Frau aus der Praxis. Und das hat sie mit ihrem mutigen Vorstoß, Unternehmen sollten zwecks Vereinbarkeit von Beruf und Familie keine Sitzungen nach 17 Uhr anberaumen, auch gleich bewiesen. Dennoch muss sie jetzt gehen. Nach nur fünf Monaten! Wie ist das möglich? Dieses tolle Talent. Diese erste Wahl. Der böse Pröll wird doch nicht etwa Sitzungen nach 17 Uhr …? Nein, undenkbar! Aber wie wird die ÖVP nun ohne sie auskommen? Und die Regierung? Und Österreich? Wird Kurz sie ersetzen können? Oder wird Schiller mit seiner Warnung Recht behalten: Der Wahn ist Kurz, die Reu ist lang?

- Stephan Klasmann

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