Stephan Klasmanns "querformat": Banken ruinieren zu wollen ist Schwachsinn

Es gibt eben keinen Respekt vor der Kirche mehr. Ausgerechnet zwischen Nikolaus und Mariä Empfängnis, in einer Zeit also, die der still-heiteren Vorbereitung auf das Weihnachtsfest dienen sollte, wollen dreiste Aktivisten die Welt in Angst und Schrecken versetzen. Genauer gesagt: die Finanzwelt.

Drei Franzosen, unterstützt von dem ehemaligen Fußballstar Éric Cantona, haben für den 7. Dezember zum Sturm auf die Banken aufgerufen. Die Bürger, so der Plan der monetären Protestanten, sollen an diesem Tag ihre gesamten Ersparnisse von Konten und Depots räumen und dadurch einen Kollaps des Banksystems hervorrufen. Die „Stopbanque“-Initiative verbreitet sich bereits höchst erfolgreich über diverse Social-Media-Portale wie Facebook oder Twitter – 140.000 Kollaborationszusagen sollen europaweit vorliegen.

Ganz chancenlos ist dieses Unterfangen nicht

Wenn Fotos von Schlangen an den Bankschaltern durch die Medien geistern und es dadurch gelingt, immer mehr Sparer aufzuschrecken, könnte das mit entsprechendem Schneeballeffekt tatsächlich zu einer Massenpanik führen. Die Frage ist bloß, was bringt das?

Die Absicht der Bankenrebellen, mit ihrem Sturm auf die Geldinstitute „die abgehobenen Eliten zum Zittern zu bringen“, mag ja in der Tradition der Französischen Revolution gut klingen, doch die Eliten werden es wohl nicht sein, die man damit trifft. Die haben ihre Firmenanteile, ihre Immobilien, Goldkonten in der Schweiz, Stiftungen in Liechtenstein. Wenn die Ackermänner dieser Welt zittern, dann bloß, weil der Privatjet auf dem Wege nach Marbella gerade eine turbulente Luftschicht kreuzt, wodurch sich der Champagner im Glase unbotmäßig kräuselt.

Letztlich ist es der viel zitierte „kleine Mann“, dessen Spareinlagen bei einer Bankenpleite verloren sind. Die „Stopbanque“-Initiatoren agieren daher wie jemand, der einen Zorn auf die Sozialversicherung hat und sich ein Bein abschneidet, damit die verhasste Krankenkasse ordentlich zahlen muss.

Die teils schon pathologische Wut auf die Banken ist freilich ein kolossales Missverständnis, das von wirtschaftlich ahnungslosen, aber populistischen Politikern – wie etwa Faymann, Rudas oder Schieder – auch noch kräftig geschürt wird. Die bösen Geldinstitute, so die Saga, haben unverantwortlich spekuliert und mussten dann mit Milliarden Euro an Steuermitteln gerettet werden. Was freilich vergessen wird ist, dass wir die Banken nicht aus Altruismus vor der Pleite bewahrt haben, sondern vielmehr aus wirtschaftlichem Selbsterhaltungstrieb. Denn ohne den Geldkreislauf kommt sehr rasch auch der Güterkreislauf zum Stillstand. Und das heißt Arbeitslosigkeit, Elend und nach nur wenigen Wochen das Bröckeln des sozialen Gefüges.

Banken haben eine unverzichtbare Funktion in unserem Wirtschaftssystem. Deshalb ist es gut, sie stärker zu kontrollieren und ihre Risiken zu begrenzen. Aber sie nun ruinieren zu wollen, nachdem wir sie eben erst mühsam und mit Milliardenaufwand gerettet haben, ist Schwachsinn, nicht Protest. Hier sägen Cantona & Co mit Inbrunst am Ast, auf dem sie (und wir alle) sitzen. Beim Sturz vom Baum bleibt freilich wenig Zeit, zu lachen. Statt auf die Bank sollten wir daher am 7. Dezember eher in die Kirche gehen und beten, dass sich nur wenige Narren finden, die bei der „Hurra, ich schieß mir ins Knie“-Aktion mitmachen.

- Stephan Klasmann

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