Stephan Klasmanns "querformat".
Auf dem Weg zu DOLM und KOFFER

Fernsehen bildet. Und damit meine ich nicht das Polit- Kabarett, das die vier Herren aus dem Dritten Lager, Scheuch, Strache, Petzner und Bucher, unter der fein-humorigen Leitung von Ingrid Thurnher am vergangenen Sonntag abgeliefert haben. Nein. Ich meine Wissenschaftssendungen. Da sieht man beispielsweise immer wieder, wie im Zeitraffer in einer Petrischale aus einer Zelle zwei werden, dann drei, dann viele. Zellteilung ist die Grundlage unseres Lebens, ja der ganzen Evolution.

Warum sollte das in der Politik anders sein? Eins, zwei, drei, viele. Keine andere Partei hält dieses Grundprinzip des biologischen Fortschritts so hoch wie die FPÖ, ja wie das Dritte Lager insgesamt. Da spaltete sich zunächst das Liberale Forum von der FPÖ ab (Jörg Haider: „Verräter“, „Missbrauch des Wählers“), dann spaltete sich das BZÖ von der FPÖ ab (Haider: „Demokratischer Prozess“), jetzt spaltet sich die FPK vom BZÖ ab (Bucher: „Verrat am Wähler“; Scheuch: „Demokratische Entscheidung“). Welch Bild des Lebens, welch Dynamik spiegelt sich in diesem Aufblühen politischer Vielfalt.

Und das sind in Wahrheit erst die ersten Schritte hin zu einer echten Demokratie. Denn wo kommen wir hin, wenn acht Millionen Österreicher lächerliche zehn Parteien am Stimmzettel vorfinden? Wo bleibt da die freie Wahl? Selbst im Käseregal eines schlecht sortierten Supermarkts finden sich locker 40 Sorten.

Schon bald aber werden die Parteien des Dritten Lagers dem Käse um nichts nachstehen. querformat zugetragene Gerüchte sprechen von einer bevorstehenden Welle neuer Parteigründungen. Umworben wird dabei etwa Stefan Petzner. Er soll Galions-figur der PKK (Petzner Kämpft für Kärnten) werden, könnte sich aber auch der LMIA (Lebens- Mensch-Initiative für Alle) zuwenden.

Doch Petzner ist für manche im Lager 3 viel zu liberal. Daher wird die Gründung des BRUNZ nicht lange auf sich warten lassen. Dieses „Bündnis: Rettet Unsere Nationale Zukunft“ versucht Kriemhild Trattnig als Spitzenkandidatin zu gewinnen und soll sich vor allem an die Ulrichsberg-Fraktion sowie die langsam vom Aussterben bedrohte Kameradschaftsbund-Minderheit wenden.

Der missverstandene politische Familienvater Sepp Bucher versucht dagegen den landesweiten Schulterschluss und sammelt Unterstützungsunterschriften für seine Plattform KOFFER. Diese „Kärntner Offensive Für Freiheit, Einigkeit und Recht(s)“ versteht sich als treuer Verwalter des Haider’schen Gedankenguts und geht mit einem Sonnensymbol und dem Slogan „Er ist auferstanden“ in den Wahlkampf.

Für eher pragmatisch ausgerichtete Landwirte sind derartige Inhalte freilich viel zu spekulativ. Ursula Haubner arbeitet daher bereits am Parteiprogramm des DOLM. Die „Demokratische Offensive Lavanttaler Milchbauern“ kämpft für die Interessen des Bauernstandes und tritt für einen biologischen Milchsee als Touristenattraktion ein, an dessen Ufern mit EU-Fördermitteln ein Solarboot-Verleih entstehen soll.

Hunderte weitere Parteien könnten künftig noch aus dem Dritten Lager geboren werden. Sozusagen politische Zellteilung im wuchernden Krebs-Gang.

Einziger Nachteil dieser Form von Demokratie: Wegen der vielen Kandidaten muss Frau Thurnher ihre Polit-Diskussionen in Zukunft aus dem HAPPEL-Stadion übertragen. HAPPEL steht übrigens für die neue Partei von H.-C. Strache: Hier Agiert Populistische Politik Extrem Lächerlich.

klasmann.stephan@format.at

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