Stark wie Oscar

Michaela Knapp über den Oscar als Österreich Werbung.

„Eine gute Nacht für Österreich!“, titelte der „Hollywood Reporter“. Und das war die Oscar-Verleihung in der Tat. Trotz der bekannten Hintergründe, dass Christoph Waltz längst in den USA lebt und Michael Hanekes Film zwar in Österreich erdacht, aber in Frankreich gemacht wurde. Er selbst schickte voran, dass die „Palme“ in Cannes bei den Cineasten mehr Bedeutung habe, der Oscar aber für Mainstream und Filmindustrie wichtig sei. Das ist gut für Haneke und seine Produzenten. Und es ist gut für Österreich.

Nicht dass so ein Oscar den Stellenwert des heimischen Films im eigenen Land heben würde. Aber die Imagepolitur international ist kaum in Marketingbudgets zu messen. „Austria“ war plötzlich auch dort in aller Munde, wo man es oft nicht einmal dem richtigen Kontinent zuordnet. Marcel Hirscher mag hierzulande bekannter sein, international ist Haneke nun der souveräne Mann aus Österreich, der durch seinen Sieg in den internationalen Medien präsent war und Kamerateams weltweit auf sich und damit Österreich fokussierte. Das sind Multiplikatoren, die zählen und nachhaltig wirken, weil sie glaubhaft und ganz nebenbei ein frisches, anderes Österreich-Bild promoten, als es etwa der 400 Millionen teure Sportevent in Schladming vermochte: Wo man für genau jenes „altherrliche“ Image sorgte, das man seit Jahren in Österreich-Werbung- und Wien-Tourismus-Kampagnen hinter sich zu lassen sucht. Die Umwegrentabilität von Kultur und Kreativwirtschaft sollte man auch in Relation zu den Budgets für Olympische Spiele in Wien 2028 setzen.

- Michaela Knapp

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