Spekulieren? Wenn schon, dann richtig!

Spekulieren? Wenn schon, dann richtig!

Das waren noch Zeiten, als Landesregierungen das Geld ihrer Bürger in den Landesbanken mit lächerlichsten Zinssätzen verrotten ließen.

Die moderne Finanzabteilung sucht kreative Wege aus dem Landesbudget und darf dabei auf wohlmeinende Zustimmung der zuständigen Politiker hoffen.

Allerdings sind Finanzgeschäfte aus den Kategorien Fremdwährung oder Swap erstens vergleichsweise langweilig und zweitens auch schwer verständlich. Wie soll zum Beispiel ein einfacher Finanzreferent den Unterschied zwischen Derivat und Teriyaki kennen? Daher sind neue Arten der kreativen Veranlagung von Landesgeldern nötig. Michael Reimon fragt sich nicht ganz zu Unrecht, weshalb noch keine Landesregierung ihr Budget sanieren wollte, indem sie „Dr. Luwumba geholfen hat, sein Erbe aus Nigeria rauszukriegen…“

Ich vermute mal: Sie wollten es eh tun, haben aber den „Antworten“-Knopf am Computer nicht gefunden. Dialog mit Bürgern ist ja nicht so die Stärke der Landeskaiserlichen.

Aber es gibt ja nicht nur potenzielle Investoren aus Afrika, die aus ein wenig Landesgeld viel Marie (oder Gabi) machen könnten. Daher fünf Vorschläge:

1. Sail and Lies Beck

Davon hat sogar der neue Lehrbua in der Salzburger Finanzabteilung schon mal gehört: Unter diesem Begriff versteht man das Herborgen und Zurückkaufen von etwas, das eigentlich Allen gehört. Nein, das hat jetzt nichts mit den Habsburgern zu tun. Sondern, wie der Name schon sagt, zum Beispiel mit den Salzburger Seen. Die könnte man ja an die Deutschen verkaufen, die dort zum Beispiel Regatten veranstalten könnten, dafür den Namen einer großen Brauerei verwenden, wofür sie wiederum Abgaben entrichten, was dann dem Land selbst zu Gute kommt. Klingt kompliziert, ist es gar nicht.

2. Bauen, bauen, bauen

Riskante Geschäfte erfreuen nur die Banken, davon haben höchstens ein paar Provisionsritter in Frankfurt, London oder St. Pölten etwas. Dann das Geld lieber gleich in sinnlose Infrastrukturprojekte stecken. Beispiele dafür gibt es genug: Das Modell Klagenfurt. Oder das Modell Graz – Klagenfurt. Oder etwas kleiner das Modell Stronach .

3. Das Modell Waldviertler

Schuster, bleib´ bei deinen Leisten – dieses Motto gilt in der Finanzwelt schon lange nicht mehr. Und wenn es ein Schuherzeuger aus dem hintersten Niederösterreich (wo man generell recht kreativ ist bei der Finanzgebarung) schafft, zu einer Art Ché Guevara der Sparvereine zu werden, weshalb sollten das nicht auch andere können? Die Finanzabteilungen der Länder sollten ihre Bürger aktiv an einem eigenen „Bürgerfinanzierungsmodell“ beteiligen. Natürlich würden diese dann unverschämterweise fragen, weshalb sie nochmals ins Taschl greifen sollten, wo sie doch eh schon …blablablabla… Antwort: Weil sie so zumindest nicht aus den Medien erfahren, wo ihr Geld verblieben ist.

4. Gegengeschäfte

Ein bewährtes Mittel, der Öffentlichkeit und sich selbst den tieferen Sinn eines Geschäfts darzustellen, ist das Gegengeschäft. Das hat schon einmal wunderbar funktioniert, weshalb nicht auch auf Landesebene? Beispiel: Für jedes Darlehen, das man abschließt, erwirbt man hochwertige Güter .

5. Die Deppensteuer

Die Landesregierungen sollten sich mal ein Beispiel an ihren Bürgern nehmen: Auch die geben sich Woche für Woche dem Traum vom schnellen Geld hin. Weshalb sollte man das mit Landesgeldern nicht auch tun? Möglichkeiten dazu gibt es in Hülle und Fülle .

Robert Prazak

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