Sparen gilt als Tugend - aber man kann’s auch übertreiben

Ist ja ganz gut gelaufen für Österreichs Unternehmen: 2011 wurde nicht nur tadellos exportiert, sondern vor allem auch fleißig investiert. Doch damit ist es jetzt offenbar vorbei. Unternehmer und Manager scheinen den Mut zu verlieren, verschieben Investitionsvorhaben – oder streichen sie gleich ganz.

Klingt logisch in unsicheren Zeiten, ist aber ziemlich riskant, denn der Anschluss ist rascher verpasst, als man glaubt.

Rigorose Sparmaßnahmen sind seit jeher populär, wenn’s in einem Unternehmen schiefläuft, aber die Therapie ist lebensgefährlich. Sparpläne erfordern oft wenig unternehmerische Intelligenz. Sie wirken rasch, verbessern kurzfristig die Bilanz. Deshalb sind sie ja auch so populär. Nachhaltig erfolgreich sind sie freilich selten.

Unternehmen kann man gesundsparen, aber viele kommen danach nicht mehr richtig hoch, und Marktanteile gewinnt man damit selten. Dazu sind andere Schritte nötig – ertragsseitige nämlich, solche, die Absatz, Preise und damit die Verkaufserlöse steigern. Dazu braucht es allerdings eine Menge unternehmerischer Intelligenz und obendrein ausreichend Investitionen in die Zukunft.

In der Eurozone läuft das übrigens ähnlich. Wie soll der Staat den Schuldenberg wegsparen und gleichzeitig Stagnation oder Rezession vermeiden? Natürlich wäre es optimal, könnte man Tilgungen und Zinsendienst aus kräftigem Wirtschaftswachstum heraus abzweigen. Aber da beißt sich die Katze leider in den Schwanz. Früher konnte der Staat Konjunkturprogramme einsetzen oder die Steuern senken. Beides ist heute wegen der Verschuldung ausgeschlossen. Sollten dann auch noch die Investitionen der Unternehmen ausbleiben und die Exporte schwächeln, ist die klassische Nationalökonomie am Ende ihrer Weisheit.

Also müssen neue Ideen her – etwa wie man die Milliardenguthaben unzufriedener Sparer für Kick-off-Programme mobilisieren könnte. Gar kein so übler Ansatz, meine ich: Denn damit kämen die niedrigen Zinsen der gesamten Wirtschaft zugute – und nicht nur den Banken.

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