Sparbuch Sparen: Angst frisst Hirn

Sparbuch Sparen: Angst frisst Hirn

Wenn es ums Geld anlegen geht sind wir Österreicher echte Nieten. Wie sonst ließe sich erklären, dass wir unser Geld am Sparbuch horten und dabei zusehen wie Inflation und Steuern das angesparte Vermögen zusammenschrumpfen lassen. Zumindest bei der aktuellen Zinslage.

Sie glauben mir nicht? Nun dann rechnen Sie doch einmal nach: Laut Bankenrechner der Arbeiterkammer ist der höchste Zinssatz den Sie derzeit bei einer einjährigen Bindung erzielen können 2,250 %. Wenn Sie 1000 € auf’s Sparbuch legen, haben Sie also im Juli nächsten Jahres 1022,5 € am Konto – ohne Berücksichtigung der KESt. Diese frisst nämlich 25 % ihrer Zinsen und schmilzt so ihr Guthaben auf 1016,875 € ein. Ein Plus von 1,69 % gegenüber den ursprünglich angelegten 1000 €. Man braucht wahrlich kein mathematisches Genie zu sein um festzustellen, dass dieser minimale Zuwachs von einer Inflationsrate die im Mai bei 2,3 % lag aufgefressen wird. Auf gut deutsch: Wer in Tagen wie diesen sein Geld auf’s Sparbuch legt, sorgt dafür, dass sein Vermögen schrumpft.

Etwas besser ist die Situation wenn Sie Ihre 1000 € auf zehn Jahre binden. Dann erhalten Sie derzeit einen fixen Zinssatz von 4,125 %. Hochgerechnet ein Guthaben von 1498,13 € - in zehn Jahren und ohne Berücksichtigung der KESt.

Lassen wir KESt und Inflation einmal beiseite und sehen uns an, was aus den 1.000 € geworden wäre, hätten wir das Geld in Aktien (oder ein Index-Zertifikat) investiert, die (oder das) den österreichischen Leitindex ATX abbilden. Trotz zwischenzeitiger Einbrüche hat der ATX in den zehn Jahren seit Ende Juni 2002 ein Plus von 58,91 % erzielt. Aus den 1000 € wären also 1589,1 € geworden – gegenüber dem Sparbuch ein Plus von 90,97 €.

Das ist aber bei weitem noch nicht die ganze Wahrheit. Denn der ATX ist ein reiner Preisindex und bildet anders, als etwa der deutsche DAX lediglich die Kursentwicklung der im Index enthaltenen Aktien ab. Die Dividenden, die jährlich in mehr oder weniger hohem Ausmaß fließen, werden nicht berücksichtigt. Dafür gibt es den ATX Total Return (ATX TR) Index, in den neben der Kursentwicklung auch noch die Dividendenzahlungen einberechnet werden. Tja, und da sieht die Sache dann noch einmal ganz anders aus. Der ATX TR hat in den letzten zehn Jahren ein Plus von 102,76 % erzielt. Auf gut deutsch die angelegten 1000 € hätten sich mehr als verdoppelt.

Stellen wir noch einmal gegenüber: 1000 €, gebunden auf zehn Jahre zum aktuell besten Zinssatz angelegt, werden zu 1498,13 €. Ein Investment von 1000 € in den ATX TR hätte in den vergangenen zehn Jahren das Guthaben auf 2027,6 € ansteigen lassen. Logisch betrachtet sollten wir unser Geld in Wiener Aktien investieren. Zum Beispiel in die Post, deren Dividendenrendite auf Basis der zuletzt bezahlten Dividende bei 6,34 % liegt.

Doch was tun wir? Wir tragen weiterhin unser Geld auf die Bank, weil dort ist es wenigstens sicher. Das hat man uns von klein auf eingetrichtert und wir glauben noch immer daran – auch wenn die seit 2008 dauernde Finanzkrise so manchen Glaubensgrundsatz über den Haufen geworfen hat. Kein Wunder, dass uns eine Studie der ING das schlechteste Finanzwissen unter elf europäischen Ländern bescheinigt.

(Anmerkung: Wer die Entwicklung an der deutschen Börse mit der an der Wiener Börse vergleichen will, müsste korrekterweise den DAX mit dem ATX Total Return vergleichen, da beide ein sogenannter Performanceindex sind.)

Mehr zum ATX Total Return Index erfahren Sie hier

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