Skandalöses Timing, schiefe Optik!

Es ist den Damen und Herren aus der Bundesregierung und ihren Kolleginnen und Kollegen aus den Ländern ja zu gönnen, dass sie mit standesgemäßen Fahrzeugen durchs Land fahren. Daher handelt es sich auch nur um einen Formalakt, dass die Bundesbeschaffungsagentur (BBG), kürzlich BMW den Zuschlag für bis zu 105 neue Luxuslimousinen gab.

So „formal“ ist dieser Vorgang jedoch nicht ganz. Immerhin handelt es sich bei den georderten Karossen nicht um irgendwelche bescheidenen Kutschen, sondern um das Beste, was der Automobilhersteller aus München zu bieten hat. Die Politiker gönnen sich nämlich ein ordentliches Upgrade und sollen demnächst in den Genuss eines BMW 740d kommen. Bislang reichte ein 5er BMW oder ein schwächer motorisierte 7er. Das ergibt, je nach Ausgangsposition, ein Plus zwischen 50 und 120 PS. Und mehr Verbrauch und mehr CO2…

Dabei zeigt sich BMW jedenfalls generös und verkauft die Kraftfahrzeuge mit einem Abschlag von rund 20.000 Euro zum Listenpreis. Die BBG muss dennoch 76.190 Euro pro Auto auf den Tisch legen. Macht in Summe: acht Millionen Euro.

Das Timing dieser Großbestellung könnte jedenfalls „grandioser“ nicht sein. In Zeiten von Sparpaket und Wirtschaftskrise, einen derartigen Deal zu vermelden, grenzt fast schon an politischen Selbstmord. Insbesondere, wenn man die Details der Modellauswahl betrachtet.
Hätte es als Zeichen der Bescheidenheit nicht z.B. auch ein Skoda Superb getan? In Bestausstattung und mit Topmotorisierung hätte das der BBG wohl nur rund die Hälfte der Ordersumme des BMW 740d gekostet. Angenehmer Nebeneffekt: Der Steuerzähler hätte diesmal nicht das Gefühl, von den Regierenden über den Tisch gezogen zu werden!

- Jochen Hahn

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