Setzt dieses Stück ab!

Setzt dieses Stück ab!

Nie liefen Verhandlungen zur Bildung einer neuen Regierung als ideen-ärmere Inszenierung ab. Wir erleben farblose Schauspieler, platte Texte, eindimensionale Interpretationen. Kein Wunder, dass die Protagonisten des Dramoletts von allem Anfang an keine Zuseher wollten.

Die Koalitionsverhandlungen sind eine enttäuschend in Szene gesetzte Tragödie. Am besten wäre, das Stück würde abgesetzt.

Doch es liegt nicht nur an den Darstellern. Das gesamte Genre hat sich überlebt, zumindest in Österreich. Die Regierungsform der rot-schwarzen Koalition entwickelte sich über die Jahre zur bloßen Administrations-Plattform unüberwindbarer Pattstellungen, in der Akteure sich gegenseitig schachmatt setzen. Ergebnis ist der totale Stillstand. Weil SPÖ und ÖVP weiter an Wählerstimmen verlieren und die FPÖ ohnehin nie regierungsfähig sein wird, künftige Koalitionen also nicht mehr möglich, braucht es eine völlig neue Form der Bühnenaufführung.

Warum also es nicht einmal mutig mit der Off-Szene-Produktion einer Minderheitsregierung versuchen? Weniger Reformen auf Schiene bringen als das rot-schwarze Einheits-Ensemble könnte die auch nicht. Oder noch besser: gleich ein Mehrheitswahlrecht einführen. Jede Partei könnte dann im Wettbewerb ihre Ideen durch- und umsetzen. Bei der nächsten Wahl würde sie dafür direkt belohnt oder abgestraft. Durch das verstaubte Theater Österreich wehte ein frischer Wind. Es würde jedenfalls einmal kräftig durchgelüftet. Vielleicht gäbe es dafür ja sogar spontanen Applaus vom Publikum.

- Klaus Puchleitner

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